Wissen
Was „Guten Morgen“ bedeutet – Herkunft und Geschichte
„Guten Morgen“ ist ein verkürzter Wunsch. Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm erklärt die Grußformel als Kürzung von „Gott gebe euch einen guten Morgen“ – deshalb steht „guten Morgen“ im Akkusativ. Das Wort Morgen ist seit dem 8. Jahrhundert als althochdeutsch morgan belegt und meinte ursprünglich wohl die Dämmerung. Heute ist der Gruß die höfliche Begrüßung am Morgen und Vormittag.

Wer „Guten Morgen“ sagt, spricht nur den Rest eines Satzes. Die vollständige Form war ein Wunsch, der Gott als Geber nannte – und dieser Ursprung steckt bis heute in der Grammatik des Grußes. Hier lesen Sie, was die großen Wörterbücher zur Herkunft belegen, woher das Wort Morgen stammt und wie man den Gruß heute verwendet: im Alltag, als Antwort und im Beruf.
Ein verkürzter Wunsch
Das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm hält die Herkunft im Band von 1885 in einem einzigen Satz fest:
die gruszformel guten morgen ist die verkürzung des wunsches gott gebe euch einen guten morgen
Kleinschreibung und „sz“ folgen dem Original (Deutsches Wörterbuch, Artikel „morgen“, Sp. 2562). Wer grüßt, wünscht also etwas – und ursprünglich sollte Gott den Wunsch erfüllen. Die volle Formel ist schon in mittelhochdeutscher Dichtung belegt, etwa beim Minnesänger Ulrich von Lichtenstein: „vrowe mîn, got gebe dir guoten morgen“, auf Deutsch etwa „meine Herrin, Gott gebe dir einen guten Morgen“.
Im Artikel „geben“ erklärt das Wörterbuch den Mechanismus genauer. Wer jemandem „gute Nacht gab“, gab ihm eigentlich diese Wunschworte; die ursprüngliche Form lautete „gott gebe dir eine gute nacht“. Für „guten Tag“ und „guten Morgen“ gilt dasselbe, wie Belege aus dem niederdeutschen Tierepos „Reinke de vos“ („gûden morgen geve ju got“) und von Hans Sachs („einen guten morgen geb dir gott dar“) zeigen. Auch das Verb „segnen“ deutet das Wörterbuch als Kürzung – aus dem Wunsch, dass Gott jemanden segnen möge (Deutsches Wörterbuch, Artikel „geben“, Sp. 1691).
Warum „guten“ und nicht „guter“ Morgen?
Aus dieser Herkunft erklärt sich die Form. „Guten Morgen“ ist ein Akkusativ, das Objekt eines Verbs, das weggefallen ist: (Gott gebe dir, ich wünsche dir) einen guten Morgen. Grimm nennt die Verben, mit denen man den Gruß verband: „guten morgen wünschen, sagen, geben, bieten“. Nach demselben Muster sind „Herzlichen Glückwunsch“ und „Frohe Weihnachten“ gebaut, die das amtliche Regelwerk als ritualisierte Ausdrücke bei Verben des Sagens anführt (Amtliches Regelwerk, § 63 E4).
Den frommen Ursprung teilt „Guten Morgen“ mit anderen Grüßen. „Grüß Gott“ und das schweizerische „Grüezi“ sind verkürzte Segenswünsche, und „gesegnete Mahlzeit“ geht nach Pfeifer auf „Gott segne die Mahlzeit“ zurück (DWDS). Wie diese Grüße entstanden sind, erklärt die Seite Moin, Servus, Grüß Gott: regionale Grüße.
Woher das Wort „Morgen“ kommt
Morgen ist ein altes germanisches Wort. Das Etymologische Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer belegt althochdeutsch morgan seit dem 8. Jahrhundert, dazu mittelhochdeutsch morgen, gotisch maúrgins und Verwandte in vielen germanischen Sprachen bis zum schwedischen morgon (Pfeifer im DWDS). Gemeint war die „Tageszeit um den Sonnenaufgang, Tagesbeginn“, und zwar „ursprünglich wohl im Sinne von ‚Dämmerung‘“. Ob das Wort mit einer indogermanischen Wurzel für „flimmern (vor den Augen), sich verdunkeln“ verwandt ist, hält Pfeifer für möglich, aber nicht für sicher. Grimm nannte die Herkunft – wie die von Tag und Abend – noch „dunkel“.
Der Duden fasst die Herkunft knapp: mittelhochdeutsch morgen, althochdeutsch morgan, „eigentlich = Schimmer, Dämmerung“ (Duden). Morgen war also zuerst die Zeit des ersten Lichts, keine Uhrzeit. Aus diesem Tagesbeginn sind weitere Bedeutungen gewachsen:
- morgen für „am nächsten Tag“: Das Adverb stammt aus dem Dativ althochdeutsch morgane. Es hieß zuerst „am Morgen“, dann „am folgenden Morgen“ nach der Nacht und schließlich „am ganzen folgenden Tag“.
- Morgen für „Osten“: Seit dem 15. Jahrhundert, häufiger seit Luther, steht Morgen auch für die Himmelsrichtung, in der die Sonne aufgeht. Daher kommt das Morgenland, das zuerst bei Luther als Übersetzung des griechischen anatolḗ („Aufgang, Osten“) erscheint.
- Morgen als Feldmaß: so viel Land, wie ein Gespann Ochsen an einem Morgen pflügen kann. Diese Bedeutung ist schon im Althochdeutschen des 10. Jahrhunderts belegt.
Das Englische ging einen eigenen Weg: Neben dichterischem morn steht dort morning, nach Pfeifer gebildet in Anlehnung an evening. Und auch im Deutschen spricht nicht jede Region vom Morgen. Wer sich für Dienstag zwischen 8 und 10 Uhr verabredet, sagt im Westen des Sprachgebiets „am Dienstagmorgen“, im Osten eher „Dienstag früh“ oder „Dienstag in der Früh“ (Atlas zur deutschen Alltagssprache).
Morgengrüße im Wandel
Grimm führt Morgengrüße aus der mittelhochdeutschen Dichtung an. Im Versroman „Erec“ heißt es „nû gap im Ërec mit gruoʒe guoten morgen“ – Erec bot ihm also zum Gruß einen guten Morgen. Im Gudrun-Epos stehen „guoten morgen, guoten âbent“ schon als Paar nebeneinander, so wie wir heute Guten Morgen und Guten Abend sagen.
Lange war es üblich, den Morgen nicht nur zu wünschen, sondern zu „geben“ oder zu „bieten“. Grimm belegt „guten morgen wünschen, sagen, geben, bieten“. Bei Lessing fällt der Satz „ich habe ihrer jungfer tochter noch keinen guten morgen gesagt“, und bei Johann Heinrich Voß „bot“ die Hausfrau „fröhlichen morgen“. Früh wurde der Gruß auch ironisch: Der Sprachgelehrte Kaspar Stieler verzeichnete 1691 ein spöttisches „ja guten morgen“ im Sinn von „weit gefehlt“, und in Schillers „Kabale und Liebe“ fällt gleich in der ersten Szene ein ironisches „guten morgen!“.
Heute zeigen die Wörterbücher vor allem Abstufungen der Nähe. Das DWDS führt „guten Morgen!“ als gewöhnliche Form, „Morgen!“ als umgangssprachlich und „einen schönen guten Morgen allerseits!“ als vertraulich (DWDS); auch die Zusammensetzung „Gutenmorgengruß“ ist dort verzeichnet. Verändert hat sich vor allem der Gruß über den Tag: Nach dem Atlas zur deutschen Alltagssprache ist im Norden und Westen „Hallo“ neben das traditionelle „Guten Tag“ getreten – die auffälligste Veränderung seit einer Erhebung zu den Grußformeln aus den 1970er-Jahren (Atlas zur deutschen Alltagssprache).
Was man auf „Guten Morgen“ antwortet
Die übliche Antwort ist derselbe Gruß. Wer mit Namen gegrüßt wird, gibt den Namen gern zurück: „Guten Morgen, Frau Weber!“ – „Guten Morgen, Herr Kaya!“ Auf ein knappes „Morgen!“ passt ein knappes „Morgen!“. Das sind Gepflogenheiten, keine Regeln; wichtig ist nur, dass der Gruß erwidert wird.
Anders ist es bei Wünschen. Auf „Einen schönen Tag!“ antwortet man mit „Danke, gleichfalls!“ oder „Danke, ebenfalls!“ – nach dem Duden heißt das „ich wünsche Ihnen das Gleiche“ (Duden).
Ältere Antwortformeln zeigen, wie ernst der Wunsch einmal gemeint war. Für das schwäbische „Grüß Gott“ verzeichnet das Grimmsche Wörterbuch als Erwiderung „ebenso“, „grosz dank!“ oder „gott dank!“ (Deutsches Wörterbuch, Artikel „grüszen“). In Nachrichten gilt dasselbe wie im Gespräch: Antworten Sie im Ton des Grußes. Beispiele finden Sie unter Guten-Morgen-Nachricht: Bedeutung und Antworten.
„Guten Morgen“ oder „Morgen!“?
Beides ist richtig, aber nicht überall gleich passend. Die Kurzform ist umgangssprachlich. Schon das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, auf dem der DWDS-Artikel beruht, illustriert sie mit einem Gruß unter Kollegen aus Friedrich Wolfs Drama „Professor Mamlock“: „Morgen, Kollegin, Morgen, Kollege“. Unter Kollegen, Nachbarn und Bekannten ist die Kurzform verbreitet. Wer jemanden zum ersten Mal trifft oder förmlich grüßen möchte, sagt den ganzen Gruß – auch das ist Gepflogenheit.
Nicht in diese Reihe gehört „Moin“. Es klingt wie eine Kurzform von „Morgen“, ist aber nach dem Atlas zur deutschen Alltagssprache keine: Es geht auf Wendungen wie „moien Dag“ zurück und passt deshalb auch am Nachmittag.
Der Gruß im Beruf
Im Berufsleben ist „Guten Morgen“ der übliche Gruß für den ersten Kontakt des Tages – im Büro, am Telefon und in der Videokonferenz. Am Telefon steht er oft nach dem Namen der Firma oder Praxis; das DWDS verzeichnet Belege nach dem Muster „Praxis Dr. …, guten Morgen“ (DWDS).
- Im Büro: Wer dazukommt, grüßt zuerst. Ein Gruß pro Person und Tag genügt; später reicht ein Nicken oder ein „Hallo“ (Gepflogenheit).
- Zur Mittagszeit: Viele sagen dann „Mahlzeit!“, laut Duden ein umgangssprachlicher „Gruß in der Mittagszeit“, besonders unter Arbeitskollegen (Duden). Grüße für das Team finden Sie unter Guten Morgen, liebe Kollegen.
- In E-Mails: Nach der Anrede steht ein Komma, und der Text beginnt in der nächsten Zeile klein (Amtliches Regelwerk, § 72). Ob „Guten Morgen“ passt, hängt davon ab, wann die Mail gelesen wird. Alles zur Schreibung erklärt Guten Morgen: groß oder klein?
- Am späten Vormittag: Bis zu welcher Uhrzeit der Gruß passt, lesen Sie unter Bis wann sagt man Guten Morgen?
Ein Blick in andere Sprachen
Nicht jede Sprache grüßt den Morgen eigens. Das französische „bonjour“ ist nach dem Larousse ein Gruß, den man „pendant la journée“ verwendet, also den ganzen Tag über (Larousse). Das griechische „kaliméra“ (καλημέρα) geht auf mittelalterliches „kalí méra“ zurück, „guter Tag“, und ist nach dem Triantafyllidis-Wörterbuch des Neugriechischen der Gruß für die Morgenstunden (Λεξικό της κοινής νεοελληνικής). Viele weitere Sprachen mit Aussprache finden Sie unter Guten Morgen in anderen Sprachen.
Quellen
- Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Artikel „morgen“, Bd. 6 (1885), Sp. 2556–2563, Trierer Wörterbuchnetz (abgerufen 03.10.2026)
- Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Artikel „geben“, Bd. 4,1,1 (1878), hier Sp. 1691, Trierer Wörterbuchnetz (abgerufen 03.10.2026)
- Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Artikel „grüszen“, Bd. 4,1,6 (1935), Sp. 1001 ff., im DWDS (abgerufen 03.10.2026)
- Wolfgang Pfeifer u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Artikel „Morgen“, digitalisierte Fassung im DWDS (abgerufen 03.10.2026)
- DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: „Morgen“, „guten Morgen“ und „Mahlzeit“ (abgerufen 03.10.2026)
- Dudenredaktion: Duden online, „Morgen“, „ebenfalls“ und „Mahlzeit“ (abgerufen 03.10.2026)
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Fassung 2024, § 63 E4 und § 72 (PDF)
- Atlas zur deutschen Alltagssprache: Gruß am Nachmittag (2011) und (am) Morgen / (in der) Früh(e) (2021)
- Larousse: Dictionnaire de français, „bonjour“ (abgerufen 03.10.2026)
- Κέντρο Ελληνικής Γλώσσας: Λεξικό της κοινής νεοελληνικής (Triantafyllidis), „καλημέρα“ (abgerufen 03.10.2026)
Häufige Fragen
Was bedeutet „Guten Morgen“ wörtlich?
Es ist ein Wunsch für einen guten Tagesbeginn, bei dem der Satzrahmen weggefallen ist. Vollständig hieß er nach dem Grimmschen Wörterbuch „Gott gebe euch einen guten Morgen“. Heute versteht man darunter schlicht: Ich wünsche dir einen guten Morgen.
Warum sagt man „guten Morgen“ und nicht „guter Morgen“?
Weil „guten Morgen“ das Objekt eines Verbs ist, das man nicht mehr ausspricht: (Ich wünsche dir) einen guten Morgen. Der Akkusativ ist vom ganzen Satz übrig geblieben. Bei „Guten Tag“ und „Guten Abend“ ist es genauso.
Ist „Moin“ eine Abkürzung von „Guten Morgen“?
Nein. Der Duden führt Moin auf ostfriesisch mōi und mittelniederdeutsch moi(e) „schön, angenehm, gut“ zurück, der Atlas zur deutschen Alltagssprache auf Wendungen wie „moien Dag“. Deshalb passt Moin zu jeder Tageszeit.
Woher kommt „morgen“ im Sinn von „am nächsten Tag“?
Aus dem Dativ des Substantivs: Althochdeutsch morgane hieß „am Morgen“. Daraus wurde „am folgenden Morgen“ nach der Nacht und schließlich „am folgenden Tag“, so das Etymologische Wörterbuch von Pfeifer.
Passt dazu
-
Wissen Schreibweise
Groß oder klein, mit oder ohne Komma.
-
Wissen Bis wann "Guten Morgen"?
Tageszeiten und ihre Grüße.
-
Wissen Die Guten-Morgen-Nachricht
Was sie bedeutet und wie man antwortet.
-
Gute Nacht Gute-Nacht-Bilder
Ruhige Bilder für den Abend.