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Kaffee am Morgen: Kultur, Zubereitung und Koffein

Fast die Hälfte des koffeinhaltigen Kaffees wird in Deutschland morgens getrunken. Insgesamt kamen 2025 im Schnitt rund 161 Liter pro Kopf zusammen. Wie viel Koffein in der Tasse steckt, hängt vor allem von der Pulvermenge ab: 200 ml Filterkaffee enthalten etwa 90 mg. Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis zu 400 mg am Tag für unbedenklich, bis zu 200 mg auf einmal.

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Vier Kaffeezubereitungen nebeneinander auf einem Holztisch im Morgenlicht: Filterkaffee in der Glaskanne, Espresso, Cappuccino und ein Glas mit Cold Brew
Bild: KI-generiert

Für viele beginnt der Tag erst mit dem ersten Kaffee. Die Zahlen bestätigen das: 47 Prozent des koffeinhaltigen Kaffees werden in Deutschland morgens getrunken, meldet der Deutsche Kaffeeverband. Diese Seite fasst die aktuellen Zahlen zusammen und erklärt die wichtigsten Zubereitungen. Sie zeigt, wie viel Koffein in der Tasse steckt – und was an verbreiteten Kaffeeregeln dran ist.

Kaffee in Zahlen

Laut Kaffeeverband tranken die Menschen in Deutschland 2025 im Schnitt rund 161 Liter Kaffee pro Kopf, nach rund 163 Litern im Jahr davor. Abgesetzt wurden etwa 456.000 Tonnen Röstkaffee, 1,5 Prozent weniger als 2024. Gleichzeitig gab es zwei Rekorde: bei ganzen Bohnen und beim Kaffee, der außer Haus getrunken wird.

Kaffee in Deutschland – ausgewählte Kennzahlen des Deutschen Kaffeeverbands
KennzahlWertStand
Kaffee pro Kopfrund 161 Liter2025
Röstkaffee-Absatzetwa 456.000 Tonnen2025
davon ganze Bohnen193.800 Tonnen (Rekord)2025
Kaffee außer Haus125.500 Tonnen (Rekord)2025
Anteil löslicher Kaffeejede zehnte Tasse2025
morgens getrunken47 Prozent des koffeinhaltigen KaffeesStudie 2021
Tassen pro Tag (Kaffeetrinker)3,82. Quartal 2022
zu Hause mit Milch / schwarz45 / 34 ProzentStudie 2021

Der Trend zur ganzen Bohne hat einen einfachen Grund: In jedem dritten Haushalt steht inzwischen ein Vollautomat, sagt der Verband. Die Filterkaffeemaschine stand laut einer Verbandsstudie von 2021 trotzdem noch in fast jeder zweiten Küche. Zusammen bereiteten Vollautomat und Filtermaschine damals zu Hause 57 Prozent aller Tassen zu.

Eine kurze Geschichte des Kaffees

Wo Kaffee zuerst angebaut wurde, ist nicht dokumentiert, schreibt der Kaffeeverband. Als Heimat der Art Coffea arabica gilt das äthiopische Hochland. Eine Legende erzählt von Hirten aus der Provinz Kaffa, deren Tiere nach dem Fressen roter Früchte nicht mehr müde wurden. Mönche sollen daraus einen Aufguss bereitet haben.

Nach Berichten des Muftis von Aden gab es im Jemen schon 1454 Frühformen von Kaffeeplantagen. Wichtigster Umschlagplatz wurde die Hafenstadt Mokka, nach der das Getränk benannt ist. Das Wort „Kaffee“ geht auf das arabische „qahwa“ zurück. Mit dem Osmanischen Reich breitete sich der Kaffee ab dem 16. Jahrhundert bis nach Südosteuropa aus. 1673 erlaubte der Rat der Stadt Bremen dem Niederländer Jan Jahns van Huisten, das erste öffentliche Kaffeehaus in Deutschland zu eröffnen. In Wien eröffnete Johannes Diodato Ende des 17. Jahrhunderts eines der ersten Kaffeehäuser.

In Preußen ließ Friedrich der Große ab 1780 nur noch staatliche Röstereien zu und setzte „Kaffeeschnüffler“ ein, die heimliches Rösten am Geruch erkennen sollten. Um 1850 war Kaffee zum Volksgetränk geworden. 1908 erfand die Dresdnerin Melitta Bentz den Kaffeefilter. Die Wiener Kaffeehauskultur steht seit 2011 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Das Kaffeehaus gilt dort als Ort, „in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht“.

Zubereitungsarten im Überblick

Filterkaffee ist laut Kaffeeverband die beliebteste Art, in Deutschland Kaffee zu trinken. Für alle Zubereitungen gilt: Wasser nicht kochend aufgießen, der Verband nennt 88 bis 95 Grad. Die wichtigsten Unterschiede:

  • Filterkaffee: Heißes Wasser läuft durch mittelfein gemahlenes Pulver und einen Papierfilter. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) empfiehlt für normal starken Kaffee 50 bis 60 Gramm Pulver je Liter.
  • French Press: Grob gemahlenes Pulver zieht zweieinhalb bis vier Minuten im Wasser, dann drückt ein Sieb den Satz nach unten. Das Ergebnis ist kräftig und aromatisch.
  • Espresso: Heißes Wasser wird mit hohem Druck durch fein gemahlenes, angedrücktes Pulver gepresst; obenauf bildet sich die Crema. Je Tasse rechnet man 6 bis 8 Gramm Pulver.
  • Cappuccino: ein Espresso, aufgegossen mit Milch und Milchschaum. In Italien trinkt man ihn nur vormittags.
  • Cold Brew: Kaffeepulver zieht stundenlang in kaltem Wasser. In einer Studie von Megan Fuller und Niny Rao erreichte das Koffein schon nach sechs bis sieben Stunden seine Endkonzentration. Die oft empfohlenen 10 bis 24 Stunden waren dafür nicht nötig.
  • Löslicher Kaffee: ein stark konzentrierter Aufguss, dem das Wasser durch Sprüh- oder Gefriertrocknung entzogen wurde. Für eine Tasse genügen 1,5 bis 2 Gramm Pulver.

Cold Brew gilt als milder. Dafür gibt es einen Beleg: Rao und Kollegen fanden in kalt gebrühtem Kaffee weniger Säure als in heiß gebrühtem, bei vergleichbarem Koffein. Wer den Kaffee vor allem wegen des Wachwerdens trinkt, spart mit Cold Brew also kein Koffein.

Kaffeerechner: Pulver und Koffein

Wählen Sie eine Zubereitung, die Zahl der Tassen und die Tassengröße. Der Rechner zeigt, wie viel Pulver Sie brauchen und wie viel Koffein ungefähr zusammenkommt.

Kaffeepulver
–
Wasser
–
Koffein
–

Kaffeepulver und Koffein je Tasse – Richtwerte
ZubereitungTassePulverKoffeinHinweis
Filterkaffee200 ml11,0 getwa 90 mgEFSA und BfR nennen etwa 90 mg je 200 ml, das BZfE empfiehlt 50 bis 60 g Pulver je Liter.
Espresso40 ml7,0 getwa 80 mgEFSA und BfR nennen etwa 80 mg je Espresso, das BZfE 6 bis 8 g Pulver je Tasse.
Cappuccino150 ml7,1 getwa 80 mgEin Espresso mit Milch und Milchschaum, also etwa so viel Koffein wie im Espresso.
French Press200 ml12,0 getwa 130 mgUmgerechnet aus Messwerten von Rao und Kollegen (2020) für 60 g Pulver je Liter.
Cold Brew200 ml20,0 getwa 220 mgStudienrezept 1:10 nach Fuller und Rao (2017), unverdünnt; mit Eis oder Wasser entsprechend weniger.
Löslicher Kaffee150 ml1,8 getwa 55 mg1,5 bis 2 g Pulver je Tasse (BZfE), das Pulver enthält rund 3,1 Prozent Koffein (USDA).

Koffein schwankt je nach Bohne, Röstung und Zubereitung stark. Orientierung: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält für gesunde Erwachsene bis zu 400 mg am Tag und bis zu 200 mg auf einmal für unbedenklich, in Schwangerschaft und Stillzeit bis zu 200 mg am Tag. Das ersetzt keine ärztliche Beratung.

So entstehen die Richtwerte im Rechner:

  • Filterkaffee und Espresso: 90 mg je 200 ml und 80 mg je Tasse Espresso nennen die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Pulvermengen folgen dem BZfE. Für den Espresso legen EFSA und BfR eine 60-ml-Tasse zugrunde. Der Rechner startet mit 40 ml, weil das BZfE für die Espressotasse 25 bis 50 ml nennt.
  • Cappuccino: Er enthält laut dem Europäischen Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) etwa so viel Koffein wie der Espresso darin.
  • French Press: Rao und Kollegen maßen bei 100 Gramm Kaffee je Liter gut 1.000 mg Koffein je Liter. Umgerechnet auf 60 Gramm Pulver je Liter sind das rund 130 mg je 200 ml.
  • Cold Brew: Hier gilt das Studienrezept von Fuller und Rao, ein Teil Kaffee auf zehn Teile Wasser. Unverdünnt kommen so in 200 ml rund 220 mg zusammen – mehr als die 200 mg, die die EFSA als Einzeldosis nennt.
  • Löslicher Kaffee: Die BZfE-Menge von 1,5 bis 2 Gramm je Tasse ist mit dem Koffeinanteil des Pulvers multipliziert. Diesen gibt das US-Landwirtschaftsministerium mit rund 3,1 Prozent an.

Wie viel Koffein am Ende in der Tasse landet, hängt vor allem von der Pulvermenge und der Bohne ab. Röstkaffee aus Arabica enthält laut BZfE etwa 13 Gramm Koffein je Kilogramm Trockenmasse, Robusta etwa 24 Gramm. Die Gesundheitsbehörde Kanadas gibt für 237 ml löslichen Kaffee 76 bis 106 mg an – auch das zeigt, wie stark die Werte schwanken.

Wie viel Koffein ist unbedenklich?

Die EFSA hat 2015 bewertet, welche Mengen für gesunde Menschen keine Bedenken aufwerfen. Für Erwachsene sind das bis zu 400 mg über den Tag verteilt, etwa 5,7 mg je Kilogramm Körpergewicht, und bis zu 200 mg auf einmal. In Schwangerschaft und Stillzeit gelten bis zu 200 mg am Tag als unbedenklich, für Kinder und Jugendliche 3 mg je Kilogramm Körpergewicht.

Das BZfE rechnet das an einem Beispiel vor: Für eine 65 Kilogramm schwere Person sind das knapp 200 mg auf einmal und 370 mg am Tag. Das entspricht etwa zwei Tassen Filterkaffee auf einmal oder rund vier über den Tag verteilt. Wer regelmäßig Kaffee trinkt, gewöhnt sich an die Wirkung. Hohe Mengen können Nervosität, Herzrasen und Schlaflosigkeit auslösen, besonders bei Menschen, die selten Kaffee trinken.

Diese Angaben gelten für gesunde Erwachsene und ersetzen keine ärztliche Beratung – etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, empfindlichem Magen, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten.

„Nicht vor 10 Uhr“: Was am Cortisol-Argument dran ist

Im Netz kursiert die Regel, den ersten Kaffee erst gegen 10 Uhr oder 90 Minuten nach dem Aufstehen zu trinken. Begründung: Der Körper schütte morgens ohnehin viel Cortisol aus. Belegt ist der erste Teil: Nach dem Aufwachen steigt das Cortisol in den ersten 30 bis 45 Minuten deutlich an. Das beschreiben internationale Fachleute in ihren Empfehlungen zur Messung dieser Aufwachreaktion. Eine Studie von Bowles und Kollegen zeigt, dass die innere Uhr diese Reaktion steuert.

Daraus folgt aber keine feste Uhrzeit. Die Aufwachreaktion hängt am Zeitpunkt des Aufwachens – wer um 5 Uhr aufsteht, hat sie früher als jemand, der um 8 Uhr aufsteht. Eine Studie von Lovallo und Kollegen spricht zudem gegen die Sorge, morgendlicher Kaffee treibe das Cortisol unnötig hoch. Junge Erwachsene hatten dort fünf Tage lang täglich Koffein bekommen. Danach löste eine Koffeindosis um 9 Uhr bei ihnen keinen Cortisolanstieg mehr aus; erst nach einer zweiten Dosis um 13 Uhr stieg der Wert wieder. Wer Kaffee auf nüchternen Magen schlecht verträgt, isst vorher etwas – Kaffee regt die Magensäure an. Mehr über die Aufwachreaktion lesen Sie in Psychologie des Morgens.

Tipps für einen guten Morgenkaffee

  • Frisch mahlen: Das BZfE rät, ganze Bohnen nicht auf Vorrat zu kaufen und erst kurz vor dem Aufbrühen zu mahlen – grob für die French Press, mittelfein für den Filter, sehr fein für Espresso.
  • Nicht lange warmhalten: Auf der Warmhalteplatte verliert Kaffee schon nach einer halben Stunde deutlich an Aroma. Eine Thermoskanne schneidet besser ab, Aufwärmen schadet dem Geschmack.
  • Auf das Wasser achten: Ein Kaffeegetränk besteht zu etwa 98 Prozent aus Wasser, schreibt der Kaffeeverband. Ideal ist laut BZfE Wasser mit weicher bis mittlerer Härte; bei sehr hartem Wasser helfen ein gepflegter Filter oder stilles, mineralarmes Wasser.
  • Richtig lagern: Kühl, trocken und luftdicht. Die Packung nach dem Öffnen wieder verschließen und in einer Dose im Kühlschrank aufbewahren.

Kaffee am Morgen in anderen Ländern

In Mailand trinkt man den Morgenkaffee im Stehen an der Bar, in Frankreich traditionell Café au lait aus einer großen Schale. In der Türkei gehört Tee zum Frühstück, danach kann ein türkischer Kaffee folgen. In Mexiko gehört für viele der Café de olla mit Zimt und Rohrzucker zum Frühstück. Das finnische Tourismusportal nennt Finnland die Nation, die weltweit am meisten Kaffee trinkt. Mehr Rituale stehen in Morgenrituale weltweit, Frühstücksgewohnheiten aus 25 Ländern in Frühstück weltweit.

Und wer den ersten Kaffee gern mit einem Gruß verschickt, findet Bilder und Sprüche unter Guten Morgen mit Kaffee. Wie der Kaffee in einen ruhigen Start passt, zeigt die Seite Morgenroutine.

Quellen

Häufige Fragen

Entzieht Kaffee dem Körper Wasser?

Nein, dieses Bild stimmt so nicht, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung. Koffein wirkt zwar kurz harntreibend, bei regelmäßigen Kaffeetrinkern aber schwächer. In Maßen getrunken zählt Kaffee zur täglichen Flüssigkeitsmenge.

Wie lange wirkt eine Tasse Kaffee?

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung setzt die anregende Wirkung 15 bis 30 Minuten nach dem Trinken ein und hält mehrere Stunden an. Die EFSA weist darauf hin, dass schon 100 mg Koffein kurz vor dem Schlafengehen bei manchen Erwachsenen den Schlaf beeinträchtigen können.

Ist Espresso schlechter für den Cholesterinspiegel als Filterkaffee?

Ungefilterter Kaffee, zum Beispiel Espresso, enthält laut Bundeszentrum für Ernährung bestimmte Fettstoffe, die den Cholesterinspiegel erhöhen können. Ein Papierfilter hält sie zurück. Wer erhöhte Blutfettwerte hat, bespricht das am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

Seit wann gibt es den Tag des Kaffees?

Der Deutsche Kaffeeverband hat den „Tag des Kaffees“ 2006 ins Leben gerufen. Er findet zusammen mit dem International Coffee Day am 1. Oktober statt; 2026 war es das 21. Mal.

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