Morgen gestalten

Musik zum Aufwachen: Weckton finden und Playlists für jede Stimmung

Zum Aufwachen sprechen erste Forschungsergebnisse für melodische Klänge mit erkennbarem Rhythmus statt eines gleichförmigen Piepens. In einer australischen Befragung berichteten Menschen, die ihren Weckton als melodisch empfanden, von weniger Benommenheit nach dem Aufwachen. Für den Morgen danach helfen Playlists nach Stimmung – ruhig zum Wachwerden, schwungvoll für Gymnastik und Arbeitsweg.

Von Zuletzt geprüft am 6 Min. Lesezeit

Akustikgitarre lehnt am sonnigen Fensterrahmen, daneben eine kleine Topfpflanze im goldenen Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Der erste Ton des Tages ist bei den meisten Menschen der Wecker. Ob er piept, klingelt oder ein Lied spielt, ist nicht nur Geschmackssache. Eine Studie aus Australien deutet darauf hin, dass melodische Klänge den Übergang vom Schlaf in den Tag erleichtern können. Hier lesen Sie, was die Forschung dazu sagt, wie Sie einen passenden Weckton finden und welche Musik zu welcher Morgenstimmung passt.

Was die Forschung über Wecktöne sagt

Direkt nach dem Aufwachen sind viele Menschen benommen und denken langsamer. Fachleute nennen diesen Übergangszustand Schlaftrunkenheit, englisch „sleep inertia“. Ein Team der RMIT University in Melbourne wollte wissen, ob der Weckton dabei eine Rolle spielt (McFarlane et al. 2020).

50 Erwachsene beantworteten online Fragen zu dem Klang, mit dem sie geweckt werden, und dazu, wie benommen sie sich danach fühlten. Zur Auswahl standen klassische Wecktöne, Lieder, Instrumentalmusik, Naturgeräusche und Radio. Außerdem schätzten die Befragten fünf Eigenschaften ihres Wecktons ein: Melodie, Rhythmus, Tempo, Tonhöhe und Lautstärke.

Wer seinen Weckton als melodisch empfand, berichtete von weniger Schlaftrunkenheit. Klänge, die die Befragten als weder melodisch noch unmelodisch einstuften, gingen dagegen mit stärkerer Benommenheit einher. Zudem hing die empfundene Melodie mit dem Rhythmus zusammen: Je weniger Rhythmus ein Klang hatte, desto weniger melodisch wirkte er.

Die Forschenden sprechen selbst von vorläufigen Ergebnissen. Die Gruppe war klein, alle Angaben beruhten auf Selbstauskunft, objektive Tests der Wachheit fehlten. Sie empfehlen weitere Studien, etwa mit Leistungstests direkt nach dem Aufwachen. Als Anregung für den eigenen Wecker taugt die Studie trotzdem – ein anderer Weckton kostet nichts.

Den passenden Weckton finden

  • Melodisch statt monoton: Ein Lied oder Klang mit erkennbarer Melodie und Rhythmus passt zu den Studienergebnissen besser als ein gleichförmiges Piepen.
  • Leise beginnen: Viele Wecker-Apps und Telefone können die Lautstärke langsam steigern. Dann reißt Sie nicht der erste Ton aus dem Schlaf, sondern der Klang holt Sie allmählich ab.
  • Nicht unbedingt das Lieblingslied: Manche Menschen erleben, dass ihnen ein Lied verleidet wird, wenn es jeden Morgen weckt. Ein Titel, den Sie mögen, aber nicht über alles lieben, ist die sichere Wahl.
  • Ab und zu wechseln: Ein neuer Klang fällt wieder auf, wenn der alte zur Gewohnheit geworden ist.
  • Außer Reichweite: Liegt das Telefon auf dem Regal statt auf dem Nachttisch, müssen Sie zum Ausschalten aufstehen. Wie Sie mit der Schlummertaste umgehen, steht beim Thema früh aufstehen.
  • Danach Licht: Der Weckton holt Sie aus dem Schlaf, für die innere Uhr zählt danach vor allem Licht. Tageslicht am Morgen zeigt dem Gehirn, dass der Tag begonnen hat (DGUV). Ziehen Sie deshalb nach dem Ausschalten gleich den Vorhang auf.

Ein Lied als Weckton stellen Sie meist in der Uhr- oder Wecker-App Ihres Telefons ein: Wecker anlegen, unter „Ton“ oder „Klingelton“ einen Titel aus der eigenen Musiksammlung wählen. Manche Musik-Apps bieten auch eine eigene Weckfunktion. Probieren Sie den neuen Ton einmal tagsüber aus, damit Sie wissen, wie laut er beginnt.

Radio als Wecker ist weniger planbar: Sie hören zuerst, was gerade läuft – Nachrichten, Werbung oder Musik. Wer mit Vogelgesang geweckt werden möchte, kann eine Aufnahme mit Vogelstimmen wählen; welche Vögel draußen wann zu singen beginnen, erklärt die Vogeluhr.

Playlists nach Stimmung

Die Listen nennen Titel und Interpreten zum Nachhören in Ihrem Musikdienst oder Ihrer Sammlung. Sie sind ein Startpunkt – ergänzen Sie, was Ihnen gefällt. Die ruhigen Listen eignen sich als Weckton, die schnellen für Bewegung und Arbeitsweg. Ordnen Sie eine Morgen-Playlist am besten vom ruhigen zum schnellen Titel: erst wach werden, dann in Schwung kommen.

Sanft wach werden

  • „Morning Has Broken“ – Cat Stevens
  • „Here Comes the Sun“ – The Beatles
  • „Sunrise“ – Norah Jones
  • „Banana Pancakes“ – Jack Johnson
  • „Put Your Records On“ – Corinne Bailey Rae
  • „Golden Hour“ – Kacey Musgraves
  • „Budapest“ – George Ezra

Gute Laune zum Frühstück

  • „Lovely Day“ – Bill Withers
  • „Walking on Sunshine“ – Katrina and the Waves
  • „Mr. Blue Sky“ – Electric Light Orchestra
  • „Three Little Birds“ – Bob Marley & The Wailers
  • „Happy“ – Pharrell Williams
  • „Sunny“ – Bobby Hebb
  • „September“ – Earth, Wind & Fire

Energie für Gymnastik und Arbeitsweg

  • „Don’t Stop Me Now“ – Queen
  • „Can’t Stop the Feeling!“ – Justin Timberlake
  • „Wake Me Up“ – Avicii
  • „Hey Ya!“ – OutKast
  • „Uptown Funk“ – Mark Ronson feat. Bruno Mars
  • „Dancing Queen“ – ABBA
  • „Eye of the Tiger“ – Survivor

Kaffee und Jazz

  • „Take Five“ – The Dave Brubeck Quartet
  • „The Girl from Ipanema“ – Stan Getz und João Gilberto
  • „What a Wonderful World“ – Louis Armstrong
  • „Feeling Good“ – Nina Simone
  • „Cantaloupe Island“ – Herbie Hancock
  • „Morning Dance“ – Spyro Gyra
  • „Autumn Leaves“ – Cannonball Adderley

Klassik am Morgen

  • „Morgenstimmung“ aus der Peer-Gynt-Suite Nr. 1 – Edvard Grieg
  • „Der Frühling“ aus „Die vier Jahreszeiten“ – Antonio Vivaldi
  • Sinfonie Nr. 6 „Pastorale“, erster Satz – Ludwig van Beethoven
  • Air aus der Orchestersuite Nr. 3 – Johann Sebastian Bach
  • Streichquartett op. 76 Nr. 4 „Sonnenaufgang“ – Joseph Haydn
  • Gymnopédie Nr. 1 – Erik Satie
  • „Also sprach Zarathustra“, Einleitung „Sonnenaufgang“ – Richard Strauss

Bei klassischer Musik steht hier der Komponist; welche Aufnahme Sie wählen, bleibt Ihnen überlassen.

Deutschsprachig

  • „Aufstehn!“ – Seeed feat. Cee-Lo Green
  • „Alles neu“ – Peter Fox
  • „Tage wie diese“ – Die Toten Hosen
  • „Auf uns“ – Andreas Bourani
  • „Guten Morgen Sonnenschein“ – Nana Mouskouri
  • „Morgens immer müde“ – Laing
  • „Sonnentanz“ – Klangkarussell

Die eigene Morgen-Playlist in drei Teilen

Wer seine Musik selbst zusammenstellt, kann sie am Ablauf des Morgens ausrichten. Eine einfache Möglichkeit sind drei Teile, die zusammen etwa so lang sind wie Ihre Routine:

  1. Wach werden: fünf bis zehn Minuten ruhige, melodische Titel, gern dieselben wie beim Weckton.
  2. Bad und Frühstück: Gute-Laune-Musik in mittlerem Tempo, die nebenher läuft, ohne zu fordern.
  3. Aufbruch: zwei, drei schnelle Titel für Gymnastik, Treppe und den Weg zur Haltestelle.

Ein praktischer Nebeneffekt: Die Playlist wird zur Uhr. Wenn der dritte Teil beginnt, ist es Zeit für Schuhe und Jacke. Wie lang Ihre Routine sein sollte, ermittelt der Aufsteh-Rechner bei der Morgenroutine.

Lieder über den Morgen

Der Morgen ist ein altes Thema der Musik, vom Choral bis zum Schlager. Geistliche Morgenlieder und ihre Geschichte stellt der Beitrag Morgenlieder vor. Hintergründe zum Schlager „Guten Morgen Sonnenschein“ finden Sie auf der Seite Guten Morgen, Sonnenschein.

Kopfhörer am Morgen: lieber leiser

Viele hören auf dem Arbeitsweg Musik über Kopfhörer. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit über eine Milliarde junge Erwachsene durch unsicheres Hören ein Risiko für dauerhafte, vermeidbare Hörschäden tragen (WHO). Entscheidend sind Lautstärke und Dauer: Für Erwachsene gelten 80 Dezibel bis zu 40 Stunden pro Woche als sicher, bei 90 Dezibel sind es nur noch vier Stunden (WHO).

Die WHO rät deshalb, die Lautstärke des Geräts auf höchstens 60 Prozent des Maximums zu stellen. Gut sitzende Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung helfen, damit man in lauter Umgebung nicht aufdrehen muss. Gönnen Sie Ihren Ohren außerdem regelmäßig Pausen. Im Straßenverkehr sollten Sie zudem hören können, was um Sie herum passiert.

Musik für den Familienmorgen

Mit Kindern kann Musik den Ablauf ordnen: Ein bestimmtes Lied läuft beim Anziehen, ein anderes beim Zähneputzen – wenn es zu Ende ist, ist der Schritt geschafft. Lassen Sie die Kinder die Lieder mit aussuchen; dann ist der Morgen auch ein bisschen ihrer. Weitere Ideen für entspannte Familienmorgen, darunter Bildkarten zum Ausdrucken, finden Sie bei der Morgenroutine mit Kindern. Für die eigenen zehn Minuten Bewegung eignen sich die schnellen Titel oben; das passende Programm mit Timer steht bei der Morgengymnastik.

Quellen

Häufige Fragen

Welcher Weckton eignet sich zum Aufwachen?

Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Eine Befragung der RMIT University in Melbourne deutet darauf hin, dass Klänge, die als melodisch empfunden werden, mit weniger Benommenheit nach dem Aufwachen einhergehen. Ein Lied oder Klang mit Melodie und Rhythmus ist deshalb einen Versuch wert.

Sollte ich mein Lieblingslied als Wecker nehmen?

Das ist Geschmackssache. Manche Menschen erleben, dass ihnen ein Lied verleidet wird, wenn es sie jeden Morgen weckt. Wer das vermeiden will, wählt einen Titel, den er mag, aber nicht über alles liebt.

Ist Musik über Kopfhörer am Morgen schädlich?

Nicht, wenn die Lautstärke stimmt. Die WHO rät, Geräte auf höchstens 60 Prozent der Maximallautstärke zu stellen und den Ohren Pausen zu gönnen. Im Straßenverkehr sollten Sie außerdem hören können, was um Sie herum passiert.

Welche Musik passt zur Morgengymnastik?

Schwungvolle Titel mit klarem Takt, zum Beispiel aus der Liste „Energie für Gymnastik und Arbeitsweg“ auf dieser Seite. Das Zehn-Minuten-Programm mit Timer finden Sie bei der Morgengymnastik; die Musik läuft einfach nebenher.

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