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Bis wann sagt man „Guten Morgen“?
Eine feste Uhrzeit gibt es nicht. Das DWDS beschreibt „Guten Morgen“ als Begrüßung am Morgen und Vormittag; spätestens zu Mittag wechselt man zu „Guten Tag“ oder regional zu „Mahlzeit“. Als Gepflogenheit gilt: Bis etwa 10 Uhr passt „Guten Morgen“ immer, zwischen 10 und 12 Uhr ist es Geschmackssache. Wer gerade erst aufgestanden ist, darf auch später noch so grüßen.

Um 9 Uhr ist „Guten Morgen“ selbstverständlich. Aber um halb zwölf? Eine feste Grenze gibt es nicht, wohl aber gute Anhaltspunkte. Diese Seite trennt, was Wörterbücher belegen, von dem, was als Gepflogenheit gilt – und zeigt, wie es in der Region und im Ausland aussieht.
Was die Wörterbücher sagen
Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache beschreibt „guten Morgen“ als „höfliche Formel zur Begrüßung am Morgen und Vormittag“ (DWDS). Der Vormittag ist dort die „Zeit zwischen Morgen und Mittag“, der Mittag die „Mitte des Tages, (etwa) 12 Uhr“ (DWDS, Vormittag; DWDS, Mittag). Nach dieser Beschreibung reicht der Gruß bis gegen Mittag.
Der Duden fasst den Morgen enger: „Tageszeit um das Hellwerden nach der Nacht; früher Vormittag“ (Duden). Großzügiger war das Grimmsche Wörterbuch im 19. Jahrhundert: Morgen sei „die frühzeit von tagesanbruch bis zum mittag“ (Deutsches Wörterbuch, Artikel „morgen“). Und eine Anleitung für Wetterbeobachter, die in Goethes Werken überliefert ist, ließ sogar alle Stunden „von Mitternacht bis Mittag“ als Morgenstunden gelten (Goethe-Wörterbuch, Artikel „Morgenstunde“).
Eine Uhrzeit nennt keines dieser Werke. Auch das amtliche Regelwerk schweigt dazu, denn es regelt nur die Schreibung – die steht unter Guten Morgen: groß oder klein? Selbst der Mittag ist nicht überall dieselbe Zeit: Landschaftlich, besonders im Nordwesten, kann „Mittag“ nach dem DWDS auch den Nachmittag meinen.
Die Tagesgrüße im Überblick
| Gruß | Wann | Hinweis |
|---|---|---|
| Guten Morgen | Morgen und Vormittag | Kurzform „Morgen!“ ist umgangssprachlich (DWDS) |
| Guten Tag | ohne Tageszeit | zur Begrüßung, „gelegentlich auch zum Abschied“ (DWDS) |
| Mahlzeit | Mittagszeit | umgangssprachlich, besonders unter Arbeitskollegen (Duden) |
| Guten Abend | am Abend | „höfliche Formel zur Begrüßung am Abend“ (DWDS) |
| Gute Nacht | später Abend, vor dem Schlafengehen | Abschiedsformel, kein Begrüßungsgruß (DWDS) |
Wichtig ist der Unterschied zwischen Begrüßung und Abschied: „Gute Nacht“ ist laut DWDS eine „Abschiedsformel am späten Abend, vor dem Schlafengehen“ (DWDS). Wer um 22 Uhr einen Raum betritt, grüßt also mit „Guten Abend“ (DWDS). „Guten Tag“ ist dagegen an keine Tageszeit gebunden und dient „gelegentlich auch zum Abschied“ (DWDS). Zur Mittagszeit sagen viele „Mahlzeit!“ – nach dem DWDS vor oder nach dem Essen (DWDS).
Übliche Grenzen – und warum es keine Regel gibt
Im Alltag haben sich Faustregeln eingespielt. Sie sind Gepflogenheit, keine Vorschrift:
- bis etwa 10 Uhr: „Guten Morgen“ passt immer.
- zwischen 10 und 12 Uhr: Viele sagen weiter „Guten Morgen“, andere wechseln zu „Guten Tag“ oder „Hallo“. Beides ist höflich.
- ab 12 Uhr: „Guten Tag“, regional „Mahlzeit“, „Grüß Gott“ oder „Moin“.
- ab dem frühen Abend: „Guten Abend“, spätestens wenn es dunkel wird.
Entscheidend ist oft weniger die Uhr als der Tag des Gegenübers. Wer Nachtschicht hatte und um 14 Uhr aufsteht, beginnt gerade seinen Morgen; ein „Guten Morgen“ wirkt dann aufmerksam, nicht falsch. Wie relativ die Grenzen sind, zeigt ein Zeitungsbeleg im DWDS: Auf einem Flug nach Nizza begrüßte der Co-Pilot die Fluggäste mit „guten Morgen“, die Stewardess drei Meter weiter mit „guten Abend“. Auch die Jahreszeit spielt mit, denn der Morgen beginnt im Winter später als im Sommer. Wann es an Ihrem Ort hell wird, zeigt der Sonnenaufgangsrechner.
Regionale Unterschiede: Moin, Grüß Gott, Servus
Ein Teil der Frage erledigt sich regional von selbst, denn viele Grüße kennen keine Tageszeit:
- Moin gilt im Norden den ganzen Tag. Im Atlas zur deutschen Alltagssprache ist es im Norden Niedersachsens und in Schleswig-Holstein die übliche Antwort auf die Frage, wie man nachmittags ein Geschäft betritt (Atlas zur deutschen Alltagssprache).
- Grüß Gott ist im Süden Deutschlands und in Österreich die häufigste Grußformel, ebenfalls ohne Bindung an die Tageszeit. Das DWDS nennt es eine „höfliche Begrüßungsformel“ (DWDS).
- Servus ist vor allem in Bayern und Österreich verbreitet und dient laut Duden zur Begrüßung wie zum Abschied (Duden).
- Grüezi ist laut Duden die schweizerische Grußformel und ebenfalls an keine Tageszeit gebunden. In Südtirol ist nach dem Atlas sogar „Guten Nachmittag“ gebräuchlich.
Herkunft und Verbreitung dieser Grüße erklärt die Seite Moin, Servus, Grüß Gott: regionale Grüße.
Guten Morgen im Büro: der kleine Knigge
Für den Arbeitsplatz gibt es keine verbindlichen Vorschriften, aber verbreitete Gepflogenheiten:
- Einmal am Tag grüßen: Den ersten Kontakt eröffnet ein „Guten Morgen“; bei der nächsten Begegnung reichen ein Lächeln oder ein „Hallo“.
- Wer dazukommt, grüßt zuerst: Das gilt im Büro, im Aufzug und in der Kaffeeküche, unabhängig von der Position.
- In Videokonferenzen: Ein „Guten Morgen“ in die Runde genügt. Sind Kollegen aus anderen Zeitzonen dabei, ist ein neutrales „Hallo zusammen“ die bessere Wahl.
- In E-Mails: „Guten Morgen“ nur, wenn die Mail vormittags gelesen wird. Sonst ist „Guten Tag“ die sichere Wahl.
- Mittags: Wo „Mahlzeit“ üblich ist, antwortet man mit „Mahlzeit“.
Grüße für das Team finden Sie unter Guten Morgen, liebe Kollegen.
Und in Nachrichten?
Bei Textnachrichten zählt meist die Uhrzeit des Absenders: Wer um 8 Uhr „Guten Morgen“ schreibt, liegt richtig, auch wenn die Nachricht erst mittags gelesen wird. Wer erst gegen Mittag zum Schreiben kommt, kann den Gruß mit einem Augenzwinkern verbinden oder gleich „Hallo“ schreiben. Beides ist Gepflogenheit, keine Regel. Was eine tägliche Morgennachricht aussagen kann und wie man darauf antwortet, erklärt die Seite Guten-Morgen-Nachricht: Bedeutung und Antworten.
Im Ausland: Wann der Gruß wechselt
In anderen Ländern liegt die Grenze teils früher als bei uns. Die großen Wörterbücher der jeweiligen Sprachen beschreiben es so:
- Italien: „Buongiorno“ ist der Gruß „durante la mattinata“, also am Vormittag (Treccani). Das Wörterbuch kennt auch die ironische Wendung „questo è il buongiorno!“, wenn jemand gleich nach dem Aufstehen zu schimpfen beginnt. „Buonasera“ sagt man „nel pomeriggio o di sera“, nachmittags oder abends, in der Toskana „già dal primissimo pomeriggio“ – schon ab dem frühen Nachmittag (Treccani).
- Frankreich: „Bonjour“ gilt „pendant la journée“, den ganzen Tag über; „bonsoir“ sagt man „dans la soirée“, am Abend (Larousse, bonjour; Larousse, bonsoir).
- Spanien: „Buenos días“ wünscht man am Morgen. „Buenas tardes“ gilt für die „tarde“, die nach der Real Academia Española vom Mittag bis zum Einbruch der Dunkelheit reicht (RAE, día; RAE, tarde). Anders als „Gute Nacht“ dient „buenas noches“ nicht nur zum Abschied vor dem Schlafengehen, sondern auch zur Begrüßung am Abend (RAE, noche).
- Griechenland: „Kaliméra“ (καλημέρα) sagt man in den Morgenstunden, „kalispéra“ (καλησπέρα) am Nachmittag und am Abend (Triantafyllidis).
Weitere Sprachen mit Aussprache finden Sie unter Guten Morgen in anderen Sprachen.
Quellen
- DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: „guten Morgen“, „guten Tag“, „guten Abend“, „gute Nacht“, „Vormittag“, „Mittag“, „Mahlzeit“ und „grüß Gott“ (abgerufen 03.10.2026)
- Dudenredaktion: Duden online, „Morgen“, „Mahlzeit“ und „servus“ (abgerufen 03.10.2026)
- Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Artikel „morgen“, Bd. 6 (1885), Sp. 2556 ff., Trierer Wörterbuchnetz (abgerufen 03.10.2026)
- Goethe-Wörterbuch: Artikel „Morgenstunde“, Trierer Wörterbuchnetz (abgerufen 03.10.2026)
- Atlas zur deutschen Alltagssprache: Gruß am Nachmittag (2011)
- Istituto della Enciclopedia Italiana: Vocabolario Treccani, „buongiorno“ und „buonasera“ (abgerufen 03.10.2026)
- Larousse: Dictionnaire de français, „bonjour“ und „bonsoir“ (abgerufen 03.10.2026)
- Real Academia Española: Diccionario de la lengua española, „día“, „tarde“ und „noche“ (abgerufen 03.10.2026)
- Κέντρο Ελληνικής Γλώσσας: Λεξικό της κοινής νεοελληνικής (Triantafyllidis), „καλημέρα“ und „καλησπέρα“ (abgerufen 03.10.2026)
Häufige Fragen
Darf man um 11 Uhr noch „Guten Morgen“ sagen?
Ja. Nach dem DWDS gilt der Gruß für Morgen und Vormittag, und 11 Uhr ist Vormittag. Wer mag, wechselt um diese Zeit zu „Guten Tag“ – falsch ist keins von beiden.
Was sagt man ab 12 Uhr?
„Guten Tag“ passt zu jeder Tageszeit. Regional sind „Mahlzeit“ zur Mittagszeit, „Grüß Gott“, „Servus“ oder „Moin“ üblich, unter Bekannten auch „Hallo“.
Ab wann sagt man „Guten Abend“?
Eine feste Uhrzeit gibt es auch hier nicht. Üblich ist der Wechsel am frühen Abend, spätestens bei Dunkelheit – das ist Gepflogenheit, keine Regel. Im Italienischen und Griechischen beginnt der Abendgruß schon am Nachmittag.
Kann man „Gute Nacht“ zur Begrüßung sagen?
Nein. „Gute Nacht“ ist eine Abschiedsformel für den späten Abend, bevor man schlafen geht. Wer spätabends ankommt, grüßt mit „Guten Abend“.
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