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Die Vogeluhr: Wer singt wann vor Sonnenaufgang?

Die Vogeluhr ordnet Vögel danach, wie lange vor Sonnenaufgang sie im Frühjahr zu singen beginnen. Nach der Vogeluhr des NABU eröffnet der Gartenrotschwanz etwa 80 Minuten vor Sonnenaufgang, dann folgen Hausrotschwanz, Singdrossel, Rotkehlchen und Amsel. Kohlmeise, Star und Buchfink setzen erst kurz vor dem Aufgang ein. Den Takt gibt die Helligkeit der Dämmerung vor.

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Ein Gartenrotschwanz mit orangeroter Brust singt auf einem dürren Kiefernzweig im blauen Licht vor Sonnenaufgang
KI-generiert

Wer im Frühjahr vor Sonnenaufgang das Fenster öffnet, hört ein Konzert, das nicht auf einmal beginnt, sondern Stimme für Stimme. Jede Vogelart hat ihren eigenen Einsatz. Der Naturschutzbund NABU hat diese Reihenfolge in einer Vogeluhr zusammengefasst: Sie zeigt, wie viele Minuten vor Sonnenaufgang die Vögel zu singen beginnen.

Was die Vogeluhr ist

Der Name stammt von der festen Abfolge, in der die Arten einsetzen. Ganz starr ist sie nicht, betont der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Die Einsätze überlappen sich häufig; das Ganze gleicht eher einem Kanon als einem Festivalprogramm mit festen Auftrittszeiten. Es gibt in der Vogelwelt aber Frühaufsteher und Langschläfer.

Den Takt gibt das Licht vor. Auf der Vogeluhr des NABU heißt es, der Grad der Morgendämmerung sei der für jede Art typische Weckreiz. Weil die Dämmerung von Woche zu Woche früher beginnt, rückt auch das Konzert im Frühjahr mit dem Sonnenaufgang nach vorn.

Ein Beispiel aus Kassel: Mitte März geht die Sonne um 6:35 Uhr auf, das Rotkehlchen setzt also gegen 5:45 Uhr ein. Mitte Mai ist es schon um 4:40 Uhr so weit – trotz der Umstellung auf Sommerzeit gut eine Stunde früher auf der Uhr.

Die Vogeluhr als Tabelle

Die Minuten in der Tabelle stammen aus der NABU-Vogeluhr und sind Richtwerte. Die Spalte rechts zeigt als Beispiel, was das für Kassel am 15. Mai bedeutet: Dort geht die Sonne an diesem Tag um 5:30 Uhr auf.

Wann Vögel morgens zu singen beginnen – Richtwerte nach der NABU-Vogeluhr
VogelartBeginn vor SonnenaufgangGesangszeitBeispiel Kassel, 15. Mai
Gartenrotschwanz80 MinutenApril bis Juli4:10 Uhr
Hausrotschwanz70 MinutenMärz bis Juli4:20 Uhr
Rauchschwalbe60 MinutenApril bis Juli4:30 Uhr
Singdrossel55 MinutenFebruar bis Juli4:35 Uhr
Rotkehlchen50 MinutenFebruar bis Juli4:40 Uhr
Kuckuck50 MinutenApril bis Juni4:40 Uhr
Amsel45 MinutenFebruar bis Juli4:45 Uhr
Goldammer45 MinutenFebruar bis Juni4:45 Uhr
Mönchsgrasmücke45 MinutenMärz bis Juli4:45 Uhr
Zaunkönig40 MinutenFebruar bis Juli4:50 Uhr
Blaumeise35 MinutenJanuar bis Juni4:55 Uhr
Zilpzalp35 MinutenMärz bis Juli4:55 Uhr
Kohlmeise30 MinutenJanuar bis Juni5:00 Uhr
Fitis22 MinutenApril bis Juni5:08 Uhr
Stieglitz20 MinutenFebruar bis Juni5:10 Uhr
Star15 MinutenJanuar bis September5:15 Uhr
Grünfink15 MinutenJanuar bis Juli5:15 Uhr
Buchfink10 MinutenFebruar bis Juli5:20 Uhr

Die frühesten Sänger beginnen also lange vor der bürgerlichen Dämmerung, die in Kassel am 15. Mai erst um 4:49 Uhr einsetzt. Wann die Sonne heute bei Ihnen aufgeht, zeigt der kleine Rechner:

Sonnenaufgang heute in Ihrer Region: einfach Ort wählen.

Ziehen Sie die Minuten der Tabelle davon ab, dann wissen Sie, wann sich das Hinhören lohnt. Für jeden anderen Tag rechnet der große Sonnenaufgangsrechner.

Warum Vögel morgens singen

Gesungen wird fast ausschließlich von den Männchen, erklärt der LBV, und zwar aus zwei Gründen. Der Gesang verteidigt das Revier gegen Rivalen und soll ein Weibchen anlocken. Die versetzten Einsätze haben ebenfalls einen Sinn – so geht kein Männchen in der Fülle der Melodien unter. Mit den längeren Tagen im Frühjahr schütten die Männchen mehr Testosteron aus, was den Gesang verstärkt.

Warum manche Arten früher anfangen als andere, hat auch mit den Augen zu tun. Eine Studie von Robert Thomas und Kollegen verglich Singvögel in verschiedenen Vogelgemeinschaften: Arten mit großen Augen begannen bei geringerer Helligkeit zu singen, also früher. Wer im Halbdunkel gut sieht, kann sich früher zeigen.

Wie empfindlich der Takt auf Licht reagiert, zeigen Untersuchungen des Max-Planck-Instituts für Ornithologie. In der Nähe von Straßenlaternen sangen die Männchen von vier Arten deutlich früher als im übrigen Wald, besonders bei Arten, die ohnehin früh einsetzen. In einer weiteren Studie begann der Morgen- und Abendgesang an beleuchteten Orten bei vier Arten schon früher im Jahr; Regen und Kälte dämpften dagegen den Gesang.

Wann im Jahr der Chor am lautesten ist

Besonders in Frühjahr und Sommer lässt sich am Morgen ein wahres Vogelstimmenkonzert erleben, schreibt der NABU. Blau- und Kohlmeise beginnen laut LBV schon kurz nach Weihnachten, die Amsel singt bald darauf in den frühen Morgenstunden. Mit der Rückkehr der Stare wird es vielstimmig. Ab März setzen laut NABU-Vogeluhr auch Hausrotschwanz, Zilpzalp und Mönchsgrasmücke ein, im April Gartenrotschwanz, Rauchschwalbe, Kuckuck und Fitis.

Während die Jungen aufgezogen werden, verhalten sich die meisten Vögel in Parks und Gärten eher still, um den Nachwuchs nicht zu verraten. Nach der Brutzeit wechseln viele ihr Federkleid und singen kaum. Im Herbst hört man dann vor allem Rotkehlchen und durchziehende Zilpzalpe. Abends lohnt sich das Hinhören ebenfalls: Amsel, Rotkehlchen und Singdrossel singen auch in der Dämmerung, die Nachtigall sogar in der Nacht.

Tipps zum Hinhören

  1. Früh raus: Wer das ganze Konzert hören will, muss Mitte Mai in Kassel schon gegen 4 Uhr aufstehen. Wie das klappt, ohne den Tag zu verderben, steht unter Früh aufstehen.
  2. Sehen und hören: Versuchen Sie, den singenden Vogel auch zu entdecken. So bleibt die Verbindung von Vogel und Gesang im Gedächtnis, rät der LBV.
  3. Mit den Bekannten anfangen: Hören Sie sich zuerst Aufnahmen von Vögeln an, die Sie oft sehen, etwa am Futterhaus. Fitis und Zilpzalp sehen sich so ähnlich, dass man sie fast nur am Gesang unterscheiden kann.
  4. Merksprüche nutzen: Die Goldammer singt „Wie wie wie hab ich dich lieb“, Zilpzalp und Kuckuck rufen ihren eigenen Namen. Nicht zu überhören ist der winzige Zaunkönig. Würde ein Mensch im Verhältnis so laut singen, wäre sein Lied vom Alpenrand bis an die Nordseeküste zu hören, rechnet der LBV vor.
  5. Mitgehen: Fast alle NABU-Gruppen bieten im Frühling Vogelstimmen-Wanderungen an, viele beginnen kurz vor Sonnenaufgang.
  6. Mitmachen: Bei der Stunde der Gartenvögel zählt man jedes Jahr am zweiten Maiwochenende Vögel für den NABU. Beim Projekt Dawn Chorus, an dem der LBV beteiligt ist, sammeln Menschen weltweit Aufnahmen des Morgenkonzerts. Die kostenlose App schlägt seit 2024 automatisch vor, welche Arten zu hören sind; Hauptsammelzeit sind April und Mai.

Mit Kindern wird der Vogelmorgen schnell zum kleinen Abenteuer – Ideen dafür stehen unter Morgen mit Kindern. Wer den Frühlingsmorgen lieber in einem Gruß verschickt, findet Motive unter Guten Morgen mit Tieren und Guten Morgen im Frühling.

Eine Singdrossel singt auf der Spitze einer Birke vor einem hellen Morgenhimmel
Die Singdrossel setzt etwa 55 Minuten vor Sonnenaufgang ein. KI-generiert

Quellen

Häufige Fragen

Singen nur die Männchen?

Fast nur, schreibt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern. Eine bekannte Ausnahme ist das Rotkehlchen: Im Herbst und Winter besetzen Männchen und Weibchen eigene Reviere und markieren sie beide mit Gesang.

Singen Vögel auch im Winter?

Einige ja. Rotkehlchen singen den ganzen Winter über, um ihre Reviergrenzen zu markieren. Blau- und Kohlmeise stimmen ihr Lied schon kurz nach Weihnachten an, die Amsel folgt bald darauf in den frühen Morgenstunden.

Bringt Straßenlicht die Vogeluhr durcheinander?

Ja, zum Teil. In einer Studie des Max-Planck-Instituts für Ornithologie begannen Männchen von vier Singvogelarten in der Nähe von Straßenlaternen deutlich früher zu singen als im übrigen Wald. Bei Blaumeisen begannen die Weibchen dort im Schnitt eineinhalb Tage früher mit der Eiablage.

Gilt die Vogeluhr überall gleich?

Nein, sie gibt Richtwerte. Neben der Helligkeit beeinflussen laut LBV auch die Temperatur und die Stimmen anderer Vögel, wann ein Vogel zu singen beginnt. Selbst die Angaben der Verbände schwanken: Für den Hausrotschwanz nennt der NABU 70 Minuten vor Sonnenaufgang, der LBV 60 bis 90 Minuten.

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