Wissen
Morgenrot: Warum der Himmel glüht und was die Wetterregel taugt
Morgens wirkt der Himmel rot, weil das Sonnenlicht einen langen Weg durch die Luft nimmt und dabei der blaue Anteil weggestreut wird. Die Regel „Morgenrot, Schlechtwetter droht“ passt am ehesten, wenn das Wetter von Westen heranzieht: Dann ist das schöne Wetter schon nach Osten abgezogen, und es kann ein Tief folgen. Eine sichere Vorhersage ist sie nicht.

Ein glühender Morgenhimmel ist einer der schönsten Anblicke des Tages – und einer der bekanntesten Wetterpropheten. „Morgenrot, Schlechtwetter droht“, sagt die Bauernregel. Was dahintersteckt, lässt sich physikalisch gut erklären. Ob die Regel taugt, hängt dagegen vom Wetter selbst ab.
Warum der Himmel morgens rot ist
Tagsüber ist der Himmel blau, weil die Luftmoleküle das Sonnenlicht streuen. Diese sogenannte Rayleigh-Streuung trifft den kurzwelligen blauen Anteil stärker als den langwelligen roten, erklärt der Deutsche Wetterdienst. Das gestreute Blau kommt aus allen Richtungen bei uns an – der Himmel leuchtet blau.
Bei Sonnenaufgang ist der Weg des Lichts durch die Luft besonders lang. Unterwegs filtern Gasmoleküle sowie Staub- und Dunstteilchen den kurzwelligen Anteil nach und nach heraus, bis nur der rote, langwellige Anteil übrig bleibt. Je mehr Staub und Dunst in der Luft liegt, desto kräftiger kann die Färbung ausfallen; auch die US-Raumfahrtbehörde NASA nennt Staub und Aerosole als Verstärker.
Aus demselben Grund wirkt auch die Sonne selbst kurz nach dem Aufgang orange oder rot. Rotes und gelbes Licht kommt auf dem langen Weg fast ungehindert bei uns an, während das Blau zur Seite gestreut wird. Je höher die Sonne steigt, desto kürzer wird der Weg, und die Färbung lässt nach.
Nach Vulkanausbrüchen kann die Dämmerung laut Deutschem Wetterdienst enorm verstärkt sein, weil zusätzliche Staub-, Gas- und Eisteilchen in der Atmosphäre schweben. Auch das Purpurlicht, ein intensiver Schein kurz vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang, fällt dann besonders kräftig aus.
Was die Wolken damit zu tun haben
Der britische Wetterdienst Met Office verbindet den roten Himmel mit dem Luftdruck: Ein Hochdruckgebiet hält Staub und kleine Teilchen in der Luft fest. Sie streuen das blaue Licht, übrig bleibt das rote. Besonders eindrucksvoll wird das Schauspiel, wenn Wolken am Himmel stehen und das rote Licht zurückwerfen.
Hier liegt der Kern der Wetterregel. Hohe Schleier- und Federwolken können der Anfang einer Warmfront sein. Nach dem Deutschen Wetterdienst kündigt sich eine Warmfront mit typischer Aufgleitbewölkung an. Zuerst erscheinen einzelne hohe Cirruswolken, dann Altocumulus und Stratus, schließlich Nimbostratus mit kräftigen, zum Teil länger andauernden Niederschlägen. Ein Morgenrot an hohen Wolken kann also die ersten Boten dieser Wolkenfolge zeigen.
Was die Regel „Morgenrot, Schlechtwetter droht“ taugt
Das Met Office erklärt die Regel so: Sie stimmt am ehesten dort, wo das Wetter überwiegend von West nach Ost zieht. Ein roter Morgenhimmel bedeutet dann, dass das Hochdruckgebiet mit dem schönen Wetter schon nach Osten weitergezogen ist – am ehesten folgt ein nasses und windiges Tief. Für die Abendrot-Hälfte hält der Wetterdienst fest, dass sie sich oft bestätigt.
In Mitteleuropa gilt das vor allem bei einer Westwetterlage. Der Deutsche Wetterdienst beschreibt sie als kräftige, über mehrere Tage anhaltende Strömung von West nach Ost. Mit ihr ziehen Tiefdruckgebiete samt Fronten vom Atlantik über die Britischen Inseln nach Osteuropa. Typisch ist unbeständiges Wetter, in dem sich Regen und kurze Aufheiterungen abwechseln. Genau für diese Lage passt die Regel nach dem Met Office am ehesten.
Ganz anders sieht es aus, wenn ein Hoch über uns liegen bleibt oder das Wetter aus Osten oder Norden heranzieht. Dann sagt die Farbe des Morgenhimmels wenig. Die Regel ist also ein Hinweis, keine Vorhersage. Wer wissen will, wie das Wetter wird, verlässt sich besser auf den Wetterbericht.
So prüfen Sie die Regel selbst
- Wolken ansehen: Hohe, faserige Schleierwolken, die von Westen aufziehen und dichter werden, passen zur Wolkenfolge einer Warmfront. Ein paar Wolken an einem sonst klaren Himmel sagen wenig.
- Zugrichtung beobachten: Ziehen die Wolken von West nach Ost, ist die Regel eher anwendbar. Kommt das Wetter aus einer anderen Richtung, verliert sie an Wert.
- Notizen machen: Schreiben Sie ein paar Wochen lang auf, wie der Morgenhimmel aussah und wie das Wetter am Nachmittag war. So sehen Sie, wie oft die Regel bei Ihnen zutrifft.
- Mit dem Wetterbericht vergleichen: Prüfen Sie, ob der Deutsche Wetterdienst für die nächsten Stunden eine Front aus Westen erwartet.
Abendrot zum Vergleich
Abendrot entsteht genauso wie Morgenrot: Das Licht der sinkenden Sonne legt einen immer längeren Weg durch die Luft zurück, bis nur noch der rote Anteil übrig ist. Bei der Wetterregel kehrt sich die Bedeutung jedoch um. Leuchtet der Himmel abends rot, ist der Westhorizont frei – und von dort kommt bei Westwetter das Wetter des nächsten Tages.
Deshalb heißt es: „Abendrot – Gutwetterbot’“. Im Englischen sagt man „Red sky at night, shepherd’s delight“. Nach dem Met Office trifft diese Hälfte der Regel häufig zu, weil sich ein Hoch von Westen nähert.

Der Blick nach Westen: Erdschatten und Gegendämmerung
Bei Morgenrot lohnt sich auch ein Blick in die Gegenrichtung. Der Deutsche Wetterdienst zählt den Erdschattenbogen und die Gegendämmerung zu den Erscheinungen der bürgerlichen Dämmerung, ebenso das Alpenglühen. Gegenüber der Sonne liegt dann ein dunkler Streifen über dem Horizont: der Schatten der Erde in der Atmosphäre.
Darüber zeigt sich die Gegendämmerung, laut DWD meist in violetten, blauen oder grünlichen Farbtönen. Je höher die Sonne steigt, desto tiefer sinkt der Erdschatten, bis er im Horizont verschwindet.
Eine Regel aus der Bibel
Die Himmelsregel ist alt. Nach dem Met Office taucht sie zuerst im Matthäusevangelium auf. In der Lutherbibel von 1912 heißt es:
„Des Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot; und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute Ungewitter sein, denn der Himmel ist rot und trübe.“ (Matthäus 16,2–3)
Jesus nutzt die Wetterregel dort als Beispiel: Die Menschen verstehen sich darauf, den Himmel zu deuten, aber nicht die Zeichen ihrer Zeit. Weitere Verse in der Übersetzung von 1912 finden Sie beim Bibelvers des Tages.
Morgenrot beobachten und fotografieren
Die schönsten Farben zeigen sich oft vor dem eigentlichen Sonnenaufgang, in der Dämmerung. Wann sie an Ihrem Ort beginnt und wann die Sonne aufgeht, zeigt der Sonnenaufgangsrechner. Im Winter fällt das Morgenrot oft genau in die Zeit des Arbeitswegs: In Kassel geht die Sonne um den Jahreswechsel erst um 8:26 Uhr auf. Im Juni muss man dagegen schon gegen 4:20 Uhr draußen sein, wenn die bürgerliche Dämmerung beginnt. Im Frühjahr lohnt es sich, dabei auch hinzuhören: Viele Vögel beginnen schon vor Sonnenaufgang zu singen – die Vogeluhr zeigt, welche Art wann einsetzt.
Wer den Morgenhimmel lieber verschickt als fotografiert, findet passende Motive unter Guten-Morgen-Bilder. Und wer am Morgenrot ein Sprichwort sucht, das gute Laune macht, liest bei Morgenstund hat Gold im Mund weiter.
Quellen
- Deutscher Wetterdienst, Wetterlexikon: Morgenrot, Abendrot, Himmelsblau, Purpurlicht, Dämmerung
- Deutscher Wetterdienst, Wetterlexikon: Warmfront und West-Wetterlage
- Met Office: Red sky at night und Why is the sky blue?
- NASA Space Place: Why is the sky blue?
- Bibel-online.net: Matthäus 16, Lutherbibel 1912
Häufige Fragen
Stimmt „Abendrot – Gutwetterbot’“?
Oft ja, schreibt der britische Wetterdienst Met Office. Wo das Wetter meist von Westen kommt, zeigt ein roter Abendhimmel, dass sich ein Hoch nähert – der nächste Tag wird dann meist trocken und freundlich. Eine Garantie ist das nicht, besonders wenn das Wetter aus einer anderen Richtung kommt.
Was ist Purpurlicht?
Ein intensiv purpurner Schein am wolkenlosen Himmel, wenn die Sonne 2 bis 5 Grad unter dem Horizont steht. Der Deutsche Wetterdienst nennt ihn das Maximum der Dämmerung. Er entsteht an winzigen Staubteilchen in großer Höhe und ist nach Vulkanausbrüchen, großen Waldbränden und in der Nähe von Großstädten besonders kräftig.
Gibt es die Regel auch in anderen Sprachen?
Ja. Im Englischen heißt sie „Red sky at night, shepherd’s delight. Red sky in the morning, shepherd’s warning“. Der britische Wetterdienst nennt auch eine Variante, in der Seeleute statt Hirten vorkommen. Die Erklärung dahinter ist dieselbe.
Kann man mit Morgenrot das Wetter für den ganzen Tag vorhersagen?
Nein. Die Regel gibt bestenfalls einen Hinweis für die nächsten Stunden und gilt vor allem bei Westwetterlagen. Für eine verlässliche Vorhersage helfen Wetterbericht und Warnungen des Deutschen Wetterdienstes.
Passt dazu
-
Wissen Vogeluhr
Welche Vögel morgens wann singen.
-
Wissen Was „Guten Morgen“ bedeutet
Herkunft des Morgengrußes, mit Belegen.
-
Wissen Schreibweise
Groß oder klein, mit oder ohne Komma.
-
Feiertage 3. Oktober
Grüße zum Tag der Deutschen Einheit.