Glaube & Segen

Morgenlieder: Kirchenlieder für den Beginn des Tages

Morgenlieder sind Kirchenlieder für den Tagesbeginn: Sie danken für die Nacht und bitten um Gottes Begleitung. Das Evangelische Gesangbuch fasst sie unter den Nummern 437 bis 456 zusammen, das katholische Gotteslob unter 81 bis 86. Viele stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, etwa von Paul Gerhardt; dazu kommen neuere wie „Er weckt mich alle Morgen“ (1938).

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Morgensonne fällt durch hohe Klarglasfenster in eine leere Dorfkirche und lässt die silbernen Pfeifen einer kleinen Orgel und die Holzbänke leuchten
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Morgenlieder danken für die Nacht, begrüßen das Licht und bitten um Gottes Begleitung durch den Tag. Schon Martin Luther rät im Kleinen Katechismus, nach dem Morgensegen „etwa ein Lied“ zu singen (EKD) – sein Gebet dazu steht beim Morgengebet.

Das Evangelische Gesangbuch (EG) fasst seine Morgenlieder unter den Nummern 437 bis 456 zusammen (Liste der Lieder im EG), das katholische Gotteslob (GL) im Stammteil von 2013 unter 81 bis 86 (Verzeichnis des Bistums Limburg). Die zwölf Lieder auf dieser Seite entstanden zwischen 1541 und 1961. Zu jedem nennen wir Dichter, Melodie, Entstehung und Liednummer und verlinken eine Quelle für den Text. Die Liedtexte selbst geben wir nicht wieder.

Die zwölf Lieder im Überblick

Zwölf Morgenlieder mit Textdichter, Entstehung und Liednummer (EG; GL = Stammteil 2013)
LiedTextEntstehungEGGL
All Morgen ist ganz frisch und neuJohannes Zwickum 1541440–
Steht auf, ihr lieben KinderleinErasmus Albergedruckt 1556442–
Aus meines Herzens GrundeGeorg Niegeum 158644386
Gott des Himmels und der ErdenHeinrich Albert1642445–
Wach auf, mein Herz, und singePaul Gerhardt1647446–
Lobet den Herren alle, die ihn ehrenPaul Gerhardt165344781
Die güldne Sonne voll Freud und WonnePaul Gerhardt1666449–
Morgenglanz der EwigkeitChristian Knorr von Rosenroth168445084
Mein erst Gefühl sei Preis und DankChristian Fürchtegott Gellert1757451–
Er weckt mich alle MorgenJochen Klepper1938452–
Danke für diesen guten MorgenMartin Gotthard Schneider1961334–
Morgenlicht leuchtetEleanor Farjeon, deutsch von Jürgen Henkys1931455–

Lieder aus der Reformationszeit

All Morgen ist ganz frisch und neu

Johannes Zwick (um 1496–1542) dichtete das Lied um 1541, gedruckt wurde es 1545; die Melodie schrieb Johann Walter 1541 (Liederdatenbank, Günter Balders auf jesus.de). Hinter dem Titel steht ein Bibelwort aus den Klageliedern: „Die Güte des HERRN ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß“ (Klagelieder 3,22–23); weitere Verse finden Sie beim Bibelvers des Tages. EG 440. Volltext: evangeliums.net.

Steht auf, ihr lieben Kinderlein

Erasmus Alber schrieb das Lied vor 1553; es erschien 1556 in einer Sammlung von Morgengesängen für Kinder. Die Melodie stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist geistlich seit Nikolaus Herman 1560 belegt (Liederdatenbank). Das Lied deutet den Morgenstern als Bild für Christus und Gottes Wort; im Evangelischen Gesangbuch dient es als Morgen- und Adventslied (Wikipedia). EG 442. Volltext: evangeliums.net.

Aus meines Herzens Grunde

Als Dichter gilt heute Georg Niege (1525–1589), Landsknecht, Verwaltungsbeamter und Dichter aus Hessen (Wikipedia). Der Text entstand um 1586 und wurde 1592 gedruckt, die Melodie stammt aus dem 16. Jahrhundert (Liederdatenbank). Ältere Nachschlagewerke schreiben das Lied Johannes Mathesius zu – so auch die Datenbank hymnary.org. Es steht in beiden großen Gesangbüchern: EG 443 und GL 86. Volltext (ältere Fassung): hymnary.org.

Barock: Albert, Gerhardt, Knorr von Rosenroth

Gott des Himmels und der Erden

Heinrich Albert (1604–1651) war zwanzig Jahre lang Organist am Königsberger Dom. Er schrieb Text und Melodie und veröffentlichte das Lied 1642 im fünften Teil seiner „Arien“; die Datenbank hymnary.org nennt 1643. Der Gedankengang lehnt sich an Luthers Morgensegen an (Wikipedia, Liederdatenbank). EG 445. Volltext in einem Schulgebetbuch von 1792: Wikisource.

Wach auf, mein Herz, und singe

Paul Gerhardts Morgen- und Dankgebet erschien erstmals 1647 in der zweiten Ausgabe von Johann Crügers Gesangbuch „Praxis Pietatis Melica“. Gesungen wird es auf die Melodie von „Nun lasst uns Gott dem Herren“ (EG 320), deren älteste Quelle Nikolaus Selneckers Gesangbuch von 1587 ist. Das Evangelische Gesangbuch druckt neun Strophen und lässt Gerhardts ursprüngliche dritte Strophe aus (Wikipedia, Liederdatenbank). EG 446. Volltext: evangeliums.net.

Lobet den Herren alle, die ihn ehren

Text von Paul Gerhardt, Melodie von Johann Crüger: Das Lied erschien 1653 in der fünften Auflage der „Praxis Pietatis Melica“. Die Strophen folgen dem antiken Vorbild der sapphischen Strophe; die wiederkehrende Schlusszeile entspricht dem biblischen Halleluja. Die Strophen über die Gefahren der Nacht spiegeln womöglich Erfahrungen aus dem Dreißigjährigen Krieg (Wikipedia). EG 447, GL 81 (ohne die Strophen 4, 5 und 9). Volltext: evangeliums.net.

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

Paul Gerhardt schrieb das Lied als Pfarrer an der Berliner Nikolaikirche, vermutlich als eines seiner letzten. Es erschien 1666 mit Melodie und Satz von Johann Georg Ebeling in dessen Sammlung „Pauli Gerhardi Geistliche Andachten“; Ebeling überschrieb es mit „Morgen-Segen“. Gerhardt griff dabei ältere Morgenlieder von Philipp von Zesen (1641) und Matthäus Apelles von Löwenstern (1644) auf und erfand für seine zwölf Strophen eine neue Versform (Wikipedia, Liederdatenbank). EG 449. Volltext: evangeliums.net.

Morgenglanz der Ewigkeit

Christian Knorr von Rosenroth (1636–1689) veröffentlichte das Lied 1684. Durchgesetzt hat sich eine Melodie aus Freylinghausens Gesangbuch (Halle 1704), die auf einer Arie von Johann Rudolph Ahle (1625–1673) beruht. Im evangelischen Gottesdienst ist das Lied seit Langem verbreitet, im katholischen erst seit der Sammlung „Kirchenlied“ von 1938; das Gotteslob von 1975 brachte eine Neubearbeitung von Maria Luise Thurmair (Liederlexikon, Michael Fischer). EG 450, GL 84. Volltext: evangeliums.net.

Von Gellert bis heute

Mein erst Gefühl sei Preis und Dank

Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769) veröffentlichte den „Morgengesang“ 1757 in seinen „Geistlichen Oden und Liedern“. Gesungen wird er auf die ältere Melodie „Ich dank dir schon durch deinen Sohn“ (Nürnberg 1580) (Liederdatenbank). EG 451. Volltext: zeno.org.

Er weckt mich alle Morgen

Jochen Klepper (1903–1942) schrieb das Gedicht am 12. April 1938; es erschien im selben Jahr in seinem Band „Kyrie. Geistliche Lieder“ unter dem Titel „Morgenlied“. Klepper stellte ihm ein Wort aus dem Propheten Jesaja voran, bei Luther: „Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, daß ich höre wie ein Jünger“ (Jesaja 50,4). Die heute gesungene Melodie schrieb Rudolf Zöbeley 1941 (Wikipedia, Liederdatenbank). EG 452. Volltext: evangeliums.net.

Danke für diesen guten Morgen

Martin Gotthard Schneider schrieb Text und Melodie 1961 für einen Wettbewerb der Evangelischen Akademie Tutzing und gewann den ersten Preis. Gesungen vom Botho-Lucas-Chor stand das Lied 1963 in den deutschen Singlecharts; in der Kirche war es anfangs heftig umstritten (Wikipedia). EG 334, außerdem in Eigenteilen einiger Bistümer. Der Text ist geschützt, die Rechte liegen beim Gustav Bosse Verlag (Liederdatenbank).

Morgenlicht leuchtet

Das englische Original „Morning Has Broken“ schrieb Eleanor Farjeon (1881–1965) im Jahr 1931 für das Gesangbuch „Songs of Praise“, auf die gälische Melodie „Bunessan“. Weltbekannt machte es Cat Stevens 1971. Die deutsche Fassung von Jürgen Henkys steht im Evangelischen Gesangbuch und im Eigenteil der österreichischen Diözesen (GL 705) (Wikipedia). EG 455. Der Text ist geschützt (Liederdatenbank).

Im Gotteslob stehen im Abschnitt „Morgen“ außerdem „Behutsam leise nimmst du fort“ (GL 82), „Die Nacht ist vergangen“ (GL 83) und der Kanon „Ausgang und Eingang“ (GL 85). Für Kinder eignet sich der Kanon „Vom Aufgang der Sonne“ von Paul Ernst Ruppel (1937, EG 456), der Psalm 113,3 vertont (Liederdatenbank). Weitere Ideen für Musik am Morgen finden Sie unter Musik zum Aufwachen und beim Morgen mit Kindern.

Warum hier keine Liedtexte stehen: Neuere Lieder wie „Danke für diesen guten Morgen“ oder „Morgenlicht leuchtet“ sind urheberrechtlich geschützt. Ältere Lieder liegen in vielen Fassungen vor – das Gotteslob etwa singt „Lobet den Herren“ ohne die Strophen 4, 5 und 9. Den Wortlaut für Gottesdienst und Hausandacht finden Sie in Ihrem Gesangbuch; die Links führen zu frei zugänglichen Fassungen.

Zum Sonntag passen viele dieser Lieder besonders gut – christliche Sonntagsgrüße finden Sie unter Gesegneten Sonntag.

Quellen

Häufige Fragen

Welche Morgenlieder stehen im Gotteslob?

Im Stammteil des Gotteslob von 2013 stehen unter „Morgen“ die Nummern 81 bis 86, darunter „Lobet den Herren alle, die ihn ehren“ (81), „Morgenglanz der Ewigkeit“ (84) und „Aus meines Herzens Grunde“ (86). Die Eigenteile der Bistümer ergänzen weitere Lieder.

Welche Morgenlieder eignen sich für Kinder?

„Steht auf, ihr lieben Kinderlein“ erschien 1556 in einer Sammlung von Morgengesängen für Kinder. Leicht mitzusingen sind auch der Kanon „Vom Aufgang der Sonne“ (EG 456) und „Danke für diesen guten Morgen“ (EG 334).

Wo finde ich die Liedtexte?

Im Evangelischen Gesangbuch und im Gotteslob unter den genannten Nummern. Für die älteren Lieder verlinken wir frei zugängliche Fassungen. Neuere Lieder sind urheberrechtlich geschützt; ihre Texte stehen in den Gesangbüchern und in lizenzierten Liedersammlungen.

Welche Morgenlieder hat Paul Gerhardt geschrieben?

Im Morgen-Teil des Evangelischen Gesangbuchs stehen drei Lieder von ihm: „Wach auf, mein Herz, und singe“ (EG 446), „Lobet den Herren alle, die ihn ehren“ (EG 447) und „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne“ (EG 449).

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