Gute Nacht
Gute-Nacht-Geschichten zum Vorlesen: zwölf neue Geschichten für Kinder
Eine gute Gute-Nacht-Geschichte ist kurz, ruhig und endet sicher. Die zwölf Geschichten auf dieser Seite sind neu geschrieben, dauern beim Vorlesen 3 bis 4 Minuten und sind nach Alter geordnet – von der kleinen Ente für Zweijährige bis zum Sternenhimmel für Achtjährige. Keine kommt mit Monstern oder offenem Ende.

Eine Gute-Nacht-Geschichte holt ein Kind aus dem lauten Tag in einen ruhigen Abend. Dafür braucht sie kein Abenteuer, sondern ein vertrautes Muster, eine warme Stimme und ein sicheres Ende. Die Stiftung Lesen empfiehlt, lieber kurz und regelmäßig vorzulesen als lang und selten – nach ihrem Vorlesemonitor 2024 bekommt trotzdem jedes dritte Kind zwischen einem und acht Jahren nicht vorgelesen.
Gute-Nacht-Geschichten ab 2 und 3 Jahren
Kurze Sätze, Wiederholungen und Dinge aus dem eigenen Alltag.
Gute Nacht, kleine Ente
Vorlesezeit: etwa 3 Minuten · ab 2 Jahren

Am Teich wird es Abend. Die Sonne ist hinter den Bäumen verschwunden.
Die kleine Ente Ella paddelt eine letzte Runde. Bevor sie schläft, will sie allen Gute Nacht sagen.
„Gute Nacht, Seerose“, sagt Ella. Die Seerose faltet langsam ihre weißen Blüten zusammen.
„Gute Nacht, Libelle“, sagt Ella. Die Libelle setzt sich auf einen Halm und hält die Flügel still.
„Gute Nacht, Frosch“, sagt Ella. Der Frosch quakt noch einmal leise. Dann ist er ruhig.
„Gute Nacht, Schilf“, sagt Ella. Das Schilf wiegt sich im Wind und flüstert: sch, sch, sch.
„Gute Nacht, Mond“, sagt Ella. Der Mond steht rund und hell über dem Teich.
Dann schwimmt Ella ans Ufer. Dort sitzt Mama Ente im weichen Gras. Sie hebt einen Flügel, und Ella schlüpft darunter. Da ist es warm und weich.
„Hast du allen Gute Nacht gesagt?“, fragt Mama Ente.
„Einer fehlt noch“, flüstert Ella. „Gute Nacht, Mama.“
„Gute Nacht, meine kleine Ente“, sagt Mama.
Ella steckt den Schnabel ins Gefieder. Ihre Augen werden schwer. Bald schläft am Teich alles: die Seerose, die Libelle, der Frosch, das Schilf – und die kleine Ella. Nur der Mond bleibt wach und passt auf.
Teddy will noch nicht schlafen
Vorlesezeit: etwa 3 Minuten · ab 2 Jahren

Im Kinderzimmer ist es Abend. Das kleine Licht neben dem Bett leuchtet gelb, und das Kind liegt schon unter der Decke.
Nur Teddy sitzt noch auf dem Kissen. „Ich bin gar nicht müde“, brummt er. „Ich will noch spielen!“
Er schaut zum Teppich. Da steht das rote Auto. „Fahren wir eine Runde?“ Aber das Auto rollt in seine Garage. Brumm, brumm … aus. Das Auto schläft.
Teddy schaut zum Regal. „Bauen wir einen Turm, Bauklötze?“ Aber die Bauklötze legen sich ordentlich übereinander. Klack, klack … still. Die Bauklötze schlafen.
Teddy schaut in die Ecke. „Spielen wir Fangen, Ball?“ Aber der Ball rollt in seinen Korb und bleibt liegen. Der Ball schläft.
Teddy schaut zum Fenster. Am dunkelblauen Himmel blinkt ein Stern. „Spielst du mit mir, Stern?“ Der Stern blinkt nur ganz langsam: an, aus, an. Als ob er gähnt.
Da gähnt auch Teddy. Ein großes Bärengähnen: Haaah. Seine Augen werden klein, seine Pfoten schwer.
„Na gut“, brummt er leise. „Nur ein bisschen ausruhen.“
Er kuschelt sich an das Kind, das einen Arm um ihn legt. Da ist es warm.
„Gute Nacht, Auto. Gute Nacht, Bauklötze. Gute Nacht, Ball. Gute Nacht, Stern“, murmelt Teddy.
Dann ist es still im Kinderzimmer. Alle schlafen. Auch Teddy.
Wilma, die kleine Wolke
Vorlesezeit: etwa 3 Minuten · ab 3 Jahren

Wilma war eine kleine Wolke, weiß und rund wie ein Kissen. Den ganzen Tag war sie über Felder, Flüsse und Dächer gezogen.
Jetzt wurde es Abend, und Wilma war müde. „Wo kann ich mich ausruhen?“, fragte sie.
Sie fragte den Berg: „Darf ich auf deiner Spitze schlafen?“ Doch der Berg brummte: „Hier oben pfeift der Wind. Da kommst du nicht zur Ruhe.“
Sie fragte den Kirchturm: „Darf ich mich an dich lehnen?“ Doch der Kirchturm sagte: „Ich bin zu spitz. Da rutschst du ab.“
Also zog Wilma weiter, langsam und leise. Unter ihr lag eine Wiese mit einem kleinen Haus. In einem Fenster brannte warmes Licht, und ein Mädchen im Schlafanzug schaute hinaus.
„Schau mal, Mama“, sagte das Mädchen. „Die Wolke sieht aus wie ein Kissen.“
Da wurde Wilma ganz warm vor Freude. Sie sank tiefer und tiefer, bis sie als feiner weißer Nebel über der Wiese lag. Das Gras war weich und kühl, die Grillen zirpten leise, und über ihr gingen die ersten Sterne an.
„Hier bleibe ich“, flüsterte Wilma.
Das Mädchen gähnte, winkte und ging ins Bett. Und Wilma schlief auf der Wiese ein – bis die Morgensonne sie am nächsten Tag sanft wieder in den Himmel hob.
Der kleine Bus fährt heim
Vorlesezeit: etwa 3 Minuten · ab 3 Jahren

Der kleine rote Bus hieß Bruno. Jeden Tag fuhr er durch die Stadt: morgens Kinder zur Schule, mittags Leute zum Markt, nachmittags Großeltern in den Park.
Jetzt war es Abend. Die Straßenlaternen gingen an, und Bruno fuhr seine letzte Runde.
An der Bäckerei stieg Frau Kessler aus. „Danke, Bruno“, sagte sie und drückte ihr Brot an sich. Am Brunnen stieg ein Mann mit Gitarre aus. Am Gartenweg stieg eine Mutter mit einem schlafenden Baby aus. Bruno öffnete seine Türen ganz vorsichtig. Pschhh, machten sie, so leise sie konnten. Das Baby schlief weiter.
Dann war Bruno leer. Langsam fuhr er an den Häusern vorbei. Hinter einem Fenster putzte jemand Zähne, hinter einem anderen sang jemand ein Gute-Nacht-Lied. Auf einer Mauer saß eine Katze und schaute ihm nach.
Endlich kam Bruno zur großen Bushalle. Dort standen die anderen Busse schon in einer langen Reihe.
„Wie war dein Tag?“, fragte der große gelbe Bus.
„Lang“, sagte Bruno. „Und schön.“
Der Fahrer stellte den Motor aus. Brumm … brumm … still. Brunos Scheinwerfer wurden dunkel, wie zwei Augen, die langsam zufallen.
Draußen ging der Mond auf. Und Bruno träumte von morgen: von den Kindern, vom Markt und vom Park.
Gute-Nacht-Geschichten ab 4 und 5 Jahren
Mit einer kleinen Aufgabe, die gelöst wird, und einem ruhigen Ende.
Das kleinste Glühwürmchen
Vorlesezeit: etwa 4 Minuten · ab 4 Jahren

Im Garten hinter dem alten Haus wohnten viele Glühwürmchen. Abends tanzten ihre Lichter über der Wiese wie kleine Sterne.
Das kleinste hieß Funke. Sein Licht war nicht größer als ein Sandkorn. „Damit kann man doch nichts sehen“, seufzte Funke.
An diesem Abend kroch die Schnecke Frieda durchs Gras. Sie wollte nach Hause, unter das große Rhabarberblatt. Aber im Dunkeln sah ein Grashalm aus wie der andere.
„Ich habe getrödelt“, sagte Frieda freundlich. „Weiß jemand den Weg zum Rhabarber?“
Die großen Glühwürmchen flogen hoch über der Hecke und hörten sie nicht. Funke aber flog zu ihr hinunter. „Ich weiß den Weg“, sagte er. „Aber mein Licht ist sehr klein.“
„Für eine Schnecke ist es genau richtig“, sagte Frieda. „Ich bin ja auch nicht schnell.“
Also flog Funke voran, immer nur ein kleines Stück. Sein Licht zeigte den nächsten Halm, das nächste Kleeblatt, den nächsten Stein. Frieda kroch hinterher, ganz in Ruhe: am Gänseblümchen vorbei, unter dem Löwenzahn hindurch, um die Gießkanne herum.
Und dann war es da: das große Rhabarberblatt, dunkel und weit wie ein Dach.
„Danke, Funke“, sagte Frieda und zog sich in ihr Haus zurück. „Mit deinem Licht habe ich jeden Schritt gesehen.“
Funke flog zurück zur Wiese. Sein Licht war immer noch klein, aber heute leuchtete es ein bisschen wärmer. Und als die großen Glühwürmchen schlafen gingen, schlief auch Funke ein, zufrieden, auf einem Kleeblatt im Mondschein.
Der Mond hat Schluckauf
Vorlesezeit: etwa 4 Minuten · ab 4 Jahren

Es war eine klare Nacht, und der Mond stand rund und hell über dem Wald. Doch plötzlich – hicks! – hüpfte er ein kleines Stück nach oben.
„Hicks!“, machte er wieder. Und gleich noch einmal: „Hicks!“
Die Sterne kicherten. „Der Mond hat Schluckauf!“
„Gar nicht lustig“, sagte der Mond. „Wenn ich hüpfe, wackelt mein Licht, und die Tiere können nicht schlafen.“
Der Fuchs schaute aus seinem Bau. „Halt die Luft an!“, rief er. Der Mond hielt die Luft an, so lange er konnte. Dann: „Hicks!“
Der Frosch am Bach quakte: „Trink einen Schluck Wasser!“ Aber der Bach war viel zu weit weg. „Hicks!“
Da setzte sich die alte Eule auf den höchsten Ast. „Atme ganz langsam ein“, sagte sie. „So langsam, wie eine Wolke zieht. Und ganz langsam wieder aus. So langsam, wie ein Blatt zu Boden schwebt.“
Der Mond atmete ein … und aus. Ein … und aus.
„Und jetzt zähl die schlafenden Tiere“, sagte die Eule. „Ganz leise.“
Der Mond schaute hinunter. „Ein Reh im Farn. Zwei Amseln in der Hecke. Drei Eichhörnchen im Kobel. Vier Enten am Ufer …“
Beim fünften Tier, einer kleinen Meise in ihrer Baumhöhle, merkte er etwas: Der Schluckauf war weg.
„Danke, Eule“, flüsterte der Mond.
Dann leuchtete er wieder ruhig über dem Wald. Und wer mag, kann es jetzt wie der Mond machen: langsam einatmen … und langsam wieder aus.
Frau Eule hat Nachtdienst
Vorlesezeit: etwa 4 Minuten · ab 5 Jahren

Wenn die anderen Tiere schlafen gehen, steht Frau Eule auf, putzt ihre Federn und sagt: „So. Dann wollen wir mal.“
Frau Eule hat Nachtdienst. Sie sieht nach, ob alle gut schlafen.
Zuerst fliegt sie zur alten Buche. Dort schlafen die Meisenkinder in ihrer Baumhöhle, fünf kleine Federbälle, dicht an dicht. Eines piepst im Traum. Frau Eule wartet, bis es wieder still ist.
Dann fliegt sie zur Lichtung. Im hohen Gras schläft ein Rehkitz so tief, dass nicht einmal seine Ohren zucken. Frau Eule fliegt einen großen Bogen, damit sie es nicht weckt.
Zuletzt kommt sie zur hohen Fichte. Oben im Kobel sitzt das kleine Eichhörnchen Flitz – und ist noch wach. „Ich kann nicht schlafen“, flüstert Flitz. „In meinem Kopf ist so viel los.“
„Dann erzähl mir drei schöne Dinge von heute“, sagt Frau Eule.
Flitz überlegt. „Ich habe eine riesige Haselnuss gefunden. Die Sonne hat mir den Rücken gewärmt. Und ich bin von der Fichte bis zur Buche gesprungen, so weit wie noch nie.“
„Drei schöne Dinge“, sagt Frau Eule. „Die nimmst du mit in den Schlaf.“
Flitz legt den buschigen Schwanz über sich wie eine Decke. Bald atmet er ruhig.
Als der Himmel im Osten hell wird, fliegt Frau Eule nach Hause. Die Amsel singt schon ihr erstes Lied. „Guten Morgen, Frau Eule!“
„Gute Nacht“, sagt Frau Eule, gähnt und schließt die Augen.
Oma Mauz und die Traumschneiderei
Vorlesezeit: etwa 4 Minuten · ab 5 Jahren

In einem hohlen Baum am Dorfrand wohnte Oma Mauz, eine alte Maus mit runder Brille. Tagsüber flickte sie Socken, abends öffnete sie ihre Traumschneiderei.
An diesem Abend übernachtete ihr Enkel Pip bei ihr. „Oma“, sagte er im Schlafanzug, „ich weiß nicht, was ich heute träumen soll.“
„Dann nähen wir dir etwas“, sagte Oma Mauz und zündete eine Kerze an.
Auf ihrem Tisch lagen viele kleine Stoffstücke. Ein blaues, so blau wie der Himmel am Mittag. Ein grünes, weich wie Moos. Ein silbernes, das leise glitzerte.
„Woraus macht man Träume?“, fragte Pip.
„Aus allem, was schön war“, sagte Oma Mauz. „Was war denn heute schön?“
Pip überlegte. „Ich war mit Lina am Bach. Wir haben Steine gesammelt. Und zum Abendbrot gab es Erdbeeren.“
Oma Mauz nahm das blaue Stück für den Himmel und das grüne für das Ufer. Sie schnitt kleine rote Punkte aus – die Erdbeeren. Aus dem silbernen Stoff nähte sie glänzende Steine.
Nadel rein, Nadel raus. Pip sah zu, und seine Augen wurden schwer.
Zum Schluss faltete Oma Mauz den Traum zusammen, klein wie ein Taschentuch, und steckte ihn Pip unters Kopfkissen.
„Und jetzt?“, murmelte Pip.
„Jetzt schläfst du“, sagte Oma Mauz und pustete die Kerze aus. „Dein Traum faltet sich von allein auf.“
Und genau so geschah es: Kaum war Pip eingeschlafen, saß er wieder am Bach. Die Steine glänzten silbern, und Lina hielt ihm eine Erdbeere hin.
Siebenschläferin Lotte sagt Tschüss
Vorlesezeit: etwa 4 Minuten · ab 5 Jahren

Im Herbst wurde der Wald bunt, und die Nächte wurden kühl. Lotte, die kleine Siebenschläferin, hatte den ganzen Sommer Bucheckern, Beeren und Haselnüsse gegessen. Jetzt war sie rund und satt – und sehr müde.
„Es ist Zeit“, sagte ihre Mutter. „Bald schlafen wir bis zum Frühling.“
„So lange?“, fragte Lotte. „Dann muss ich mich vorher verabschieden.“
Zuerst huschte sie zum Eichhörnchen. „Ich schlafe jetzt den ganzen Winter. Versteckst du ein paar Nüsse für mich?“
„Mach ich“, sagte das Eichhörnchen. „Und im Frühling zeige ich dir, wo sie liegen. Falls ich es dann noch weiß.“ Da mussten beide lachen.
Dann huschte sie zum Eichelhäher. „Erzählst du mir im Frühling, was im Winter passiert ist?“
„Alles“, versprach der Eichelhäher. „Jede einzelne Schneeflocke.“
Zuletzt besuchte sie den alten Specht. „Klopfst du an meinen Baum, wenn es wieder warm ist?“
„Dreimal“, sagte der Specht. „Dann weißt du, dass ich es bin.“
Zufrieden kletterte Lotte in ihr Nest aus Moos und trockenen Blättern, weich wie ein Federbett. Sie rollte sich zusammen, legte den buschigen Schwanz über die Nase und gähnte.
„Wird mir der Winter nicht lang?“, fragte sie leise.
„Nein“, sagte ihre Mutter. „Wenn man schläft, ist ein Winter so kurz wie eine Nacht.“
Draußen fiel ein Blatt, dann noch eins. Lotte hörte es schon nicht mehr. Sie träumte von Nüssen, von Schneeflocken und von einem leisen Klopfen: tock, tock, tock.
Gute-Nacht-Geschichten ab 6 bis 8 Jahren
Etwas längere Geschichten mit mehr Einzelheiten und einem ruhigen Schluss.
Ein Zelt im Wohnzimmer
Vorlesezeit: etwa 4 Minuten · ab 6 Jahren

Eigentlich wollten Jonas und sein Papa am Wochenende zelten gehen. Aber seit dem Mittag regnete es, und es hörte nicht auf.
„Dann zelten wir eben hier“, sagte Papa.
Sie stellten zwei Stühle auseinander, legten die große Wolldecke darüber und klammerten die Ecken fest. Darunter kamen Isomatten, Kissen und Jonas’ Schlafsack, der noch nach Sommer roch.
„Fehlt nur das Lagerfeuer“, sagte Jonas.
Papa holte die Taschenlampe und legte ein rotes Tuch darüber. Sofort leuchtete es im Zelt warm und orange, fast wie echtes Feuer.
Draußen trommelte der Regen gegen die Scheiben. Drinnen war es trocken und gemütlich. Papa hielt die Hand vor die Lampe und bewegte die Finger. An der Zeltwand erschien ein Hase mit langen Ohren.
„Jetzt ich!“, rief Jonas, und an der Wand flatterte ein Vogel, dann bellte ein Hund.
Später lagen sie nebeneinander und hörten zu. Der Regen klang anders als sonst, mal schnell, mal langsam. Die Heizung knackte leise. In der Küche brummte der Kühlschrank.
„Hörst du?“, flüsterte Papa. „Das sind die Geräusche von unserem Campingplatz.“
Jonas kicherte. Dann gähnte er. „Papa“, murmelte er, „gehen wir morgen richtig zelten?“
„Wenn die Sonne scheint“, sagte Papa.
Jonas nickte und kroch tiefer in seinen Schlafsack. Der Hase an der Zeltwand war längst verschwunden, das Lagerfeuer glomm nur noch schwach. Und der Regen sang sein leises Lied weiter, bis Jonas tief und fest schlief.
Der Leuchtturmwärter und das kleine Boot
Vorlesezeit: etwa 4 Minuten · ab 7 Jahren

Auf einer kleinen Insel im Meer stand ein rot-weißer Leuchtturm. Darin wohnte Hinrich, der Leuchtturmwärter, mit seiner Katze Möwe. Sie hieß so, weil sie gern den Vögeln zuschaute.
Jeden Abend, wenn die Sonne ins Wasser sank, stieg Hinrich die hundert Stufen hinauf, putzte die großen Glasscheiben und schaltete das Licht ein. Es begann sich zu drehen, und sein Strahl strich über das Meer wie eine Hand, die eine Decke glatt streicht.
„Gute Nacht, Schiffe“, sagte Hinrich dann.
An diesem Abend war das Meer ruhig. Hinrich zählte die Boote, die in den Hafen zurückkehrten: die Fischkutter, die Fähre, ein Segelboot mit gelben Segeln. Nur das blaue Boot der Familie Petersen fehlte noch.
Hinrich wartete. Möwe wartete auch und schnurrte.
Endlich, als die ersten Sterne funkelten, sah er ein Licht auf dem Wasser. Es blinkte: kurz, kurz, lang. Das war das Zeichen der Petersens. Sie hatten auf der Sandbank nur zu lange den Seehunden zugeschaut.
Hinrich nahm seine Taschenlampe und blinkte zurück: kurz, kurz, lang. Das hieß: Ich sehe euch. Der Weg ist frei.
Das kleine Boot folgte dem Strahl bis in den Hafen. Am Steg blinkten drei kleine Lichter zum Dank herüber.
Hinrich lächelte. Jetzt waren alle zu Hause.
Er setzte sich in seinen Sessel am Fenster, und Möwe sprang auf seinen Schoß. Draußen drehte sich das Licht, Runde um Runde, die ganze Nacht. Und das Meer rauschte leise, als wollte es sagen: Schlaft gut, schlaft gut.
Sterne zählen mit Opa Karl
Vorlesezeit: etwa 4 Minuten · ab 8 Jahren

In den Sommerferien schlief Lena bei Opa Karl unter dem Dach, in einem Zimmer mit einem Fenster, das man weit aufklappen konnte.
„Heute ist eine gute Nacht für die Sterne“, sagte Opa beim Abendbrot. „Kein Mond, keine Wolken.“
Als es dunkel war, öffneten sie das Fenster. Die kühle Luft roch nach frisch gemähtem Gras. Opa legte Lena eine Decke um die Schultern und sich selbst auch.
Zuerst sahen sie nur ein paar helle Sterne. Doch je länger sie schauten, desto mehr wurden es. „Die Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen“, erklärte Opa.
Dann zeigte er auf einen blassen, milchigen Streifen quer über dem Himmel. „Die Milchstraße. Lauter Sterne, so weit weg, dass sie zusammen wie ein Schleier aussehen.“
Lena fand den Großen Wagen. Opa zeigte ihr, wie man von dort zum Polarstern kommt: Man verlängert die Linie der beiden hinteren Sterne des Wagenkastens ungefähr fünfmal.
„Der Polarstern bleibt fast immer an derselben Stelle“, sagte Opa. „Danach haben sich die Seeleute früher gerichtet.“
Eine Weile sagten sie nichts. Im Garten zirpte eine Grille.
Plötzlich huschte ein heller Strich über den Himmel. „Eine Sternschnuppe!“, flüsterte Lena. „Darf ich mir was wünschen?“
„Natürlich“, sagte Opa. „Aber nicht verraten.“
Lena schloss die Augen und wünschte. Danach war sie so müde, dass Opa das Fenster schloss und sie zudeckte. Was sie sich gewünscht hatte, bleibt ihr Geheimnis. Aber sie lächelte im Schlaf.
So lesen Sie Gute-Nacht-Geschichten vor
- Langsamer als gedacht: Abends darf die Stimme tiefer und das Tempo ruhiger sein, mit Pausen an den Satzenden.
- Mitmachen erlaubt: Kinder rufen dazwischen oder erzählen weiter. Darin sieht die Stiftung Lesen den Vorteil des Vorlesens: Man kommt ins Gespräch.
- Lieblingsgeschichten wiederholen: Wenn Erwachsene eine Geschichte nicht mehr hören können, ist sie nach der Stiftung Lesen „gerade häufig genug“.
- Wählen lassen: zwei Geschichten zur Auswahl, nicht zwölf.
- Ende ist Ende: Danach kein Bildschirm und keine neue Diskussion. Ein fester Schlusssatz wie „Und jetzt schlafen alle, auch du“ hilft beim Loslassen.
Auch nach der Einschulung lohnt sich das Vorlesen, rät die Stiftung Lesen, denn Lesenlernen ist anstrengend. Für die Eltern selbst gibt es ruhige Gute-Nacht-Geschichten für Erwachsene.
Ein Einschlafritual in fünf Schritten
Rituale geben Halt, weil Kinder wissen, was als Nächstes kommt. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät auf kindergesundheit-info.de, in der letzten Stunde vor dem Zubettgehen Toben und Bildschirme zu meiden und sich die letzte halbe Stunde Zeit für das Kind zu nehmen. Zum Beispiel so:
- Ankündigen: „Noch ein Turm, dann geht’s ins Bad.“
- Bad und Zähne: immer in derselben Reihenfolge.
- Licht dimmen: nur noch eine kleine Lampe, das Kuscheltier liegt bereit.
- Geschichte, Reim oder Gebet: eine Geschichte von dieser Seite, ein Reim aus den Gute-Nacht-Gedichten oder ein Abendgebet.
- Drei schöne Dinge: Wie das Eichhörnchen Flitz erzählt das Kind, was heute schön war. Dann: Licht aus.
Die American Academy of Sleep Medicine empfiehlt für Drei- bis Fünfjährige 10 bis 13 Stunden Schlaf am Tag (mit Mittagsschlaf), für Sechs- bis Zwölfjährige 9 bis 12 Stunden. Die Zubettgehzeit ergibt sich laut kindergesundheit-info.de aus Aufstehzeit minus Schlafbedarf: Wer um 7 Uhr aufwacht und zehn Stunden braucht, liegt spätestens um 21 Uhr im Bett. Mehr dazu bei der Abendroutine und beim Morgen mit Kindern.
Schläft ein Kind über Wochen schlecht ein oder ist es tagsüber auffällig müde, sprechen Sie mit der Kinderarztpraxis. Schlafmittel gehören nie ohne ärztlichen Rat in Kinderhände.
Quellen
- Stiftung Lesen: Vorlesen in jedem Alter (Tipps zu Häufigkeit, Wiederholung und Vorlesen für Schulkinder)
- Stiftung Lesen, DIE ZEIT, Deutsche Bahn Stiftung: Vorlesemonitor 2024
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, kindergesundheit-info.de: Einschlaftipps und Schlafbedarf und Schlafdauer
- Paruthi S u. a.: Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations. Journal of Clinical Sleep Medicine 2016;12(6):785–786
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann man Gute-Nacht-Geschichten vorlesen?
Früher, als viele denken: Schon Babys hören gern vertraute Stimmen, auch wenn sie die Handlung noch nicht verstehen. Die Geschichten auf dieser Seite sind für Kinder ab 2 Jahren geschrieben, die kürzesten leben von Wiederholungen. Nach oben gibt es keine Grenze – auch Schulkinder hören gern zu.
Wie lang sollte eine Gute-Nacht-Geschichte sein?
Für Kleinkinder reichen oft 2 bis 3 Minuten, für Schulkinder dürfen es 5 bis 10 sein. Wichtiger als die Länge ist die Regelmäßigkeit: Lieber jeden Abend eine kurze Geschichte als einmal in der Woche eine lange.
Mein Kind will jeden Abend dieselbe Geschichte hören – ist das schlimm?
Nein. Wiederholungen geben Sicherheit, und Kinder lernen dabei Sprache; die Stiftung Lesen hält sie ausdrücklich für wichtig. Wenn es Ihnen zu eintönig wird, lassen Sie Ihr Kind einzelne Sätze selbst erzählen.
Wie viel Schlaf braucht ein Kind?
Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin empfiehlt für Ein- bis Zweijährige 11 bis 14 Stunden, für Drei- bis Fünfjährige 10 bis 13 Stunden (jeweils mit Mittagsschlaf) und für Sechs- bis Zwölfjährige 9 bis 12 Stunden. Der Bedarf ist aber von Kind zu Kind verschieden.
Was macht eine gute Einschlafgeschichte aus?
Ein vertrauter Rahmen, wenige Figuren, eine kleine Aufgabe, die gelöst wird, und ein Ende, an dem alle zur Ruhe kommen. Wiederkehrende Sätze helfen kleinen Kindern, mitzusprechen. Spannung, die offen bleibt, gehört nicht in die letzte Viertelstunde des Tages.
Passt dazu
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Gute Nacht Geschichten für Erwachsene
Ruhige Geschichten zum Einschlafen.
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Gute Nacht Gute Nacht in anderen Sprachen
In 50 Sprachen – mit Aussprache.
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Gute Nacht Schönen Abend
Und später eine gute Nacht.
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Wissen Bis wann „Guten Morgen“?
Tageszeiten und ihre Grüße.