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Moin, Servus, Grüß Gott: regionale Grüße und ihre Bedeutung
„Moin“ ist ein ursprünglich norddeutscher Gruß, der zu jeder Tageszeit passt. Der Duden führt ihn auf ostfriesisch mōi und mittelniederdeutsch moi(e) „schön, angenehm, gut“ zurück. Nach dem Atlas zur deutschen Alltagssprache ist Moin keine Kurzform von „Morgen“, sondern von Wünschen wie „moien Dag“. Im Süden grüßt man mit Servus, Grüß Gott oder Grüezi, im Bergbau mit Glück auf.

Im Norden „Moin“, in Bayern „Servus“, in Zürich „Grüezi“: Am Gruß hört man oft, woher jemand kommt. Viele dieser Grüße sind älter, als ihr lockerer Klang vermuten lässt, und manche bedeuten etwas anderes, als man denkt. Hier finden Sie Herkunft und Verbreitung der wichtigsten regionalen Grüße, belegt mit Wörterbüchern und dem Atlas zur deutschen Alltagssprache.
Moin: Bedeutung und Herkunft
„Moin“ ist laut Duden eine „ursprünglich norddeutsche, heute überregionale Grußformel“ (Duden). Restlos geklärt ist die Herkunft nicht, aber die Belege sprechen deutlich für eine Erklärung:
- Von moi, „schön“: Der Duden führt Moin auf ostfriesisch mōi und mittelniederdeutsch moi(e) „schön, angenehm, gut“ zurück. Schon das Mittelniederdeutsche Handwörterbuch von Lübben und Walther verzeichnet moi(e) mit der Bedeutung „schön, schmuck“ (Lübben/Walther).
- Ein verkürzter Wunsch: Nach dem Atlas zur deutschen Alltagssprache ist Moin eine Kürzung von „moien Dag“ oder ähnlichen Wünschen. Übrig bleibt nur das Adjektiv, wie bei „frohes neues“ zum Jahreswechsel (Atlas zur deutschen Alltagssprache). Das Schweizerische Idiotikon nennt die Form „’n mooien Dag“, mit der man im Emsland, im Oldenburger Land und in Ostfriesland einen schönen Tag wünscht, und vergleicht die Kürzung mit dem schweizerdeutschen Gruß „Guete!“ (Schweizerisches Idiotikon).
- Nicht von „Morgen“: Die naheliegende Deutung als verkürztes „Guten Morgen“ weist der Atlas ausdrücklich zurück. Es handle sich „nicht – wie oft angenommen wird, um eine Abkürzung von Morgen“.
Das niederländisch-niederdeutsche mooi selbst ist nach dem Idiotikon unbekannten Ursprungs. Es ist erstmals 1153 bezeugt und außer im Niederländischen und im Niederdeutschen aus keiner anderen germanischen Sprache bekannt. Weit gewandert ist Moin trotzdem: Schon im späteren 19. Jahrhundert kam es in die Schweiz, vermutlich mit deutschen Handwerkern, und 1925 wurde es dort für etliche Städte verzeichnet.
Moin oder Moin Moin?
Beides ist richtig. Der Atlas verzeichnet für den Norden „Moin oder Moinmoin“, und das DWDS führt „Moin, Moin“ als eigene norddeutsche Grußformel (DWDS). Eine Regel, wann die doppelte Form passt, nennen die Wörterbücher nicht. Wie man Moin schreibt, steht unter Guten Morgen: groß oder klein?
Moin am Nachmittag und am Abend
Weil Moin nicht von Morgen kommt, ist es an keine Tageszeit gebunden. Im Atlas zur deutschen Alltagssprache ist es im Norden Niedersachsens und in Schleswig-Holstein die übliche Antwort auf die Frage, wie man nachmittags ein Geschäft betritt, in dem man die Leute kennt. Weder Duden noch DWDS beschränken den Gruß auf eine Tageszeit – ein abendliches Moin ist deshalb kein Versehen. Umgekehrt macht niemand etwas falsch, der im Norden morgens „Guten Morgen“ sagt: Moin ist ein Angebot, keine Pflicht.
Servus: der Diener als Gruß
„Servus“ stammt aus dem Lateinischen: servus heißt „Sklave, Knecht, Diener“. Nach Pfeifer wurde das Wort im 17. Jahrhundert übernommen und bedeutet eigentlich „(ich bin) Ihr Diener!“ (DWDS). Aus der Formel der Ergebenheit ist ein vertrauter Gruß geworden. Der Duden nennt ihn einen „freundschaftlichen Gruß beim Abschied, zur Begrüßung“, vor allem in Bayern und Österreich (Duden).
Servus funktioniert also in beide Richtungen, beim Kommen wie beim Gehen. Der Atlas zur deutschen Alltagssprache findet es als Gruß beim Betreten eines Geschäfts vor allem im Osten Bayerns und vereinzelt in Österreich. Das DWDS verzeichnet daneben die Form „servas“.
Grüß Gott: ein verkürzter Segenswunsch
„Grüß Gott“ ist keine Aufforderung, Gott zu grüßen. Gemeint ist: Gott grüße dich. Das Grimmsche Wörterbuch erklärt, dass Gott in der Formel „gott grüsze dich, grüsz gott“ als der Grüßende erscheint, „d. h. gott sei dir wohl, helfe dir“ – entsprechend dem lateinischen „dominus tecum“, der Herr sei mit dir (Deutsches Wörterbuch, Artikel „grüszen“). Schon Glossare des 15. Jahrhunderts geben lateinisch „avete“ mit „got grüesz üch“ wieder. Geantwortet wird meist mit demselben Gruß; für Schwaben verzeichnet das Wörterbuch als Erwiderung auch „ebenso“ oder „gott dank!“.
Heute ist Grüß Gott laut DWDS eine „höfliche Begrüßungsformel“, besonders im Südosten Deutschlands und in Österreich, gelegentlich im Südwesten (DWDS). Der Atlas sieht es südlich der Mittelgebirge und östlich des Rheingrabens sowie in Österreich als häufigste Grußformel. In Österreich verbreitet sich zunehmend „Grüß euch“, gesprochen etwa „Griaß Eich“. Unter Bekannten genügt oft das kürzere „Grüß dich“, das der Duden als umgangssprachliche Grußformel führt (Duden). Zum Abschied dient Grüß Gott traditionell nicht; das Grimmsche Wörterbuch zitiert für Schwaben ausdrücklich: „die formel wird nicht beim abschied gebraucht“. Dafür gibt es „Behüt dich Gott“, das der Duden als süddeutschen und österreichischen Abschiedsgruß verzeichnet (Duden).
Grüezi: der Schweizer Gruß
„Grüezi“ ist laut Duden die „schweizerische Grußformel“, gekürzt aus „(Gott) gruezi-i“, also „(Gott) grüße euch“ (Duden). Es ist damit ein enger Verwandter von Grüß Gott; auch das Grimmsche Wörterbuch führt die schweizerischen Formen „gott grüez-i, grüez gott“ an. Verbreitet ist Grüezi nach dem Atlas vor allem im Norden und Osten der Deutschschweiz. Im Westen sagt man eher „Grüeß Ech“, und vielerorts – auch in Vorarlberg und vereinzelt in Südtirol – hört man das lockere „Hoi“.

Glück auf: der Gruß der Bergleute
„Glück auf“ ist laut Duden der Bergmannsgruß (Duden). Das Grimmsche Wörterbuch zeichnet seine Geschichte nach: Zunächst war „glück auf“ eine allgemeine Glückwunsch-, Ermunterungs- und Begrüßungsformel. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist es zuerst in Sachsen als Gruß der Bergleute belegt und wurde auf das Aufschließen der Erzgänge gedeutet (Deutsches Wörterbuch, Artikel „glück“).
Ein Bergbuch von 1710, das Grimm zitiert, erklärt, warum Bergleute „Glück zu“ nicht hören wollten: Klüfte und Gänge müssten sich „nicht zu-, sondern auffthun“. Auch Goethe begrüßte einen Besucher mit „glück auf!“, wie das Wörterbuch belegt.
Tach, Tag und Hallo
„Tag!“ ist die umgangssprachliche Kurzform von „Guten Tag“ (Duden), landschaftlich auch „Tagchen“ (Duden). Wie das Wort klingt, hängt von der Region ab. Der Atlas zur deutschen Alltagssprache zeigt ein ursprüngliches Gebiet der Aussprache „Tach“, in dem inzwischen vor allem im Norden auch die Aussprache mit k weit verbreitet ist. Im Norden ist der Vokal kurz („Tach“), weiter südlich lang („Taach“) (Atlas zur deutschen Alltagssprache).
Den größten Wandel beim Tagesgruß hat aber ein anderes Wort gebracht: „Hallo“. Laut Atlas ist es im Norden und Westen neben das traditionelle „Guten Tag“ getreten und wurde aus fast 150 Orten gemeldet – die auffälligste Veränderung seit einer Erhebung zu den Grußformeln aus den 1970er-Jahren. Seine Herkunft ist überraschend handfest: Nach Pfeifer ist „hallo“, belegt seit dem 15. Jahrhundert, eine Befehlsform zu althochdeutsch halōn, holōn, „holen“ – ursprünglich der Ruf an den Fährmann (DWDS).
Und zum Abschied?
Auch viele Abschiedsgrüße sind verkürzte Segenswünsche. Neben Servus, das in beide Richtungen funktioniert, sind das vor allem:
- Pfiat di: Der bayerische und österreichische Abschiedsgruß ist laut Duden die mundartliche Form von „behüt dich (Gott)“ und bedeutet „lebe wohl!“ (Duden).
- Tschüs: Der umgangssprachliche Abschiedsgruß, besonders unter Verwandten und guten Bekannten, geht nach dem Duden über älteres „atschüs“ auf niederdeutsch „adjüs“ zurück, wohl von spanisch „adiós“ und letztlich lateinisch „ad deum“, „zu Gott“ (Duden).
Mahlzeit: der Mittagsgruß
„Mahlzeit!“ ist laut Duden ein umgangssprachlicher „Gruß in der Mittagszeit“, besonders unter Arbeitskollegen (Duden). Auch er stammt aus einem Segenswunsch: „gesegnete Mahlzeit“ geht nach Pfeifer auf „Gott segne die Mahlzeit“ zurück und ist seit dem 18. Jahrhundert belegt (DWDS). Auf „Mahlzeit!“ antwortet man üblicherweise mit „Mahlzeit!“. Wie man im Team grüßt, zeigt die Seite Guten Morgen für Kollegen; bis wann man morgens grüßt, steht unter Bis wann sagt man Guten Morgen?
Wo man wie grüßt
Der Atlas zur deutschen Alltagssprache fragte, was man sagt, „wenn man nachmittags ein kleines Geschäft betritt, wo man die Leute kennt“. Gefragt war nicht, wie man selbst grüßt, sondern was am eigenen Ort gewöhnlich gesagt wird. Die Antworten ergeben eine deutliche Landkarte. Die Karte selbst finden Sie auf der Seite des Atlas; hier die Ergebnisse in Worten:
| Gruß | Verbreitung |
|---|---|
| Moin, Moinmoin | Norden Niedersachsens, Schleswig-Holstein |
| Guten Tag, Hallo | Norden und Westen außerhalb des Moin-Gebiets |
| Grüß Gott | Süddeutschland südlich der Mittelgebirge und östlich des Rheingrabens, Österreich |
| Servus | Osten Bayerns, vereinzelt Österreich |
| Grüß euch (Griaß Eich) | zunehmend in Österreich |
| Grüezi | Norden und Osten der Deutschschweiz |
| Grüeß Ech | Westen der Deutschschweiz |
| Hoi | Deutschschweiz, Vorarlberg, vereinzelt Südtirol |
| Guten Nachmittag | Südtirol |
Tipp für unterwegs: Wer auf Reisen unsicher ist, grüßt mit dem Gruß, den er gerade gehört hat, oder neutral mit „Guten Tag“. Beides ist überall höflich. Wie man jenseits des deutschen Sprachraums grüßt, zeigt Guten Morgen in anderen Sprachen; was hinter dem Morgengruß selbst steckt, erklärt die Bedeutung von Guten Morgen.
Quellen
- Dudenredaktion: Duden online, „moin“, „servus“, „Gott“, „grüßen“, „grüezi“, „Glückauf“, „Tag“, „Tagchen“, „pfiat“, „tschüs“ und „Mahlzeit“ (abgerufen 03.10.2026)
- DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: „Moin, Moin“, „servus“, „hallo“ und „Mahlzeit“ mit Etymologie nach Pfeifer sowie „grüß Gott“ (abgerufen 03.10.2026)
- Atlas zur deutschen Alltagssprache: Gruß am Nachmittag (2011) und Tag und Zeug (Aussprache -g) (2011)
- Christoph Landolt, Schweizerisches Idiotikon: Moin – die Ostfriesen erobern die Schweiz (Wortgeschichte vom 28.04.2015)
- August Lübben, Christoph Walther: Mittelniederdeutsches Handwörterbuch, „moi(e)“, Trierer Wörterbuchnetz (abgerufen 03.10.2026)
- Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Artikel „grüszen“, Bd. 4,1,6 (1935), Sp. 1001 ff., und Artikel „glück“, Bd. 4,1,5 (1958), Sp. 226 ff., im DWDS (abgerufen 03.10.2026)
Häufige Fragen
Kann man „Moin“ auch abends sagen?
Ja. Moin kommt nicht von Morgen, sondern von moi „schön, gut“, und ist an keine Tageszeit gebunden. Weder Duden noch DWDS schränken den Gruß auf den Morgen ein.
Was antwortet man auf „Servus“?
Am einfachsten ebenfalls „Servus“. Weil der Gruß für Begrüßung und Abschied gilt, passt die Antwort in beiden Fällen. Wer den Gruß nicht gewohnt ist, antwortet mit „Hallo“ oder „Guten Tag“.
Darf man als Tourist oder Zugezogener „Grüß Gott“ sagen?
Ja. Laut DWDS ist Grüß Gott im Südosten Deutschlands und in Österreich eine „höfliche Begrüßungsformel“. Wer lieber neutral grüßt, sagt „Guten Tag“ – auch das ist überall höflich.
Ist „Moin“ in einer E-Mail angemessen?
Unter Kollegen in Norddeutschland ist Moin auch beruflich verbreitet (Gepflogenheit). Bei Unbekannten oder außerhalb des Nordens ist „Guten Tag“ die sichere Wahl.
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